Und – wie ist so das Leben im Auto?

Zu kalt? Zu warm? Anstrengend? Super geil? Gewöhnungsbedürftig? Abwechslungsreich? Doof? Völlig falsch? Umständlich? Frei? Unmöglich? Komisch? Genau richtig?

Also doof und unmöglich ist es schon mal gar nicht, das kann ich dir mal eben ganz schnell sagen. Und völlig falsch ist es auch nicht, überhaupt nicht.

Nach den ersten Wochen ( im Moment sind es fast 10), nach dem jetzt wirklich alles funktioniert, haben wir uns ganz gut eingelebt. Es hat sich sozusagen eine Routine ergeben, die sich aber je nach Wetter immer auch ändert. So zum Beispiel, dass es jetzt nachts einfach schon ganz schön kühl wird. Da kommt dann jeden Abend dazu, dass ich die beiden Thermomatten, die eben gleichzeitig wunderbar die Scheiben verdunkeln, mit ihren Magneten ans Blech klacken lasse, die Frontscheibe wird ebenso von innen zugedeckt. Damit wir aber trotzdem frische Luft bekommen, lasse ich die beiden Scheiben ein wenig herunter, setze zwei Lüftungsgitter ein, fahre die Scheiben wieder hoch und baue das ganze morgens wieder ab. Das dauert pro Auf- oder Abbau max. 2 Minuten, und noch finde ich es nicht lästig. Denn sobald ich es abends angebracht habe, kann ich das Licht anknipsen, ohne gleich von jedem hell erleuchtet gesehen zu werden.

Der Plan ist, für die beiden Hecktürscheiben und für die beiden Seitenscheiben hinten auch noch solche Thermomatten zu bekommen. Hier müssen es nur welche sein, die stärkere Magneten haben, da mittlerweile das pure Blech überall mit Filz überzogen ist.

Was hab ich mich davor gedrückt. Ich hatte die Türen schon einmal gefilzt. Im Orange, was du rechts im Bild blitzen siehst. Das war jedoch kein Fahrzeugfilz, was heißt, dass er nicht in alle Richtungen dehnbar ist. Mit seinen 3mm Stärke konnte ich den einfach nicht in die Fenstervertiefungen reindrücken und reinkleben, ohne dass ich Teile aufschneiden und Ecken einsetzen musste. Das ging zwar, aber es sah so scheiße aus, dass ich es nicht ertragen konnte und es eines Tages ganz spontan wieder abgerissen habe. Danach war ich auf der Suche nach dehnbarem Filz, farblich passend zum Orange. Ist mir nicht begegnet und so haben wir uns für das anthrazit entschieden. Hier könntest du dir bei Bedarf Teststückchen der drei möglichen Farben schicken lassen.

Diesen Filz kann ich wirklich empfehlen. Es ist sehr einfach damit zu arbeiten, ein paar kleine Tricks beherzigen und schon wird das Ergebnis so wunderbar, dass es sogar mir gefällt. 🙂 Der Unterschied zum vorher mit Kleberesten völlig „versauten“ Blech tut den Augen gut und das befilzte Blech ist lange lange nicht mehr so kalt. Was, da wir dort mit den Köpfen liegen sehr angenehm ist. Wie gesagt es kommen auch da noch Verdunkelungen hin, die das Ganze noch mal prima isolieren werden.

Nix mehr mit Mütze schlafen 🙂

Apropos schlafen: Wir schlafen beide so prima in Wilma, dass wir gar nicht mehr woanders schlafen wollen. Obwohl, oder vielleicht gerade weil ich ja die mega Fehlplanung beim Bau fabriziert hatte. Querschlafen war angedacht. Alugestell aufgebaut inkl. Küchenteil und dann die erste Nacht in Wilma verbracht. Ich lag hinten an den Türen, wo es noch einmal ein paar Zentimeter weniger sind, weil Wilma hinten schmaler wird.

Ich passte da zwar ganz genau zwischen, wenn ich meine Fersen direkt an der Wand und meinen Kopf direkt an der anderen Wand parkte. Da ich aber saugerne auf dem Bauch schlafe, gabs keine Möglichkeit für mich meine Füße unter zu bringen. Also schlief ich mehr recht als schlecht gequetscht und leicht schräg. Selbst für Tina, die ja etwas kürzer ist als ich, und mehr Zentimeter in der Länge zur Verfügung hatte, war das Schlafen eher doof.

Entweder ich hätte jetzt alles rausschmeißen, noch mal vermessen und von vorne anfangen können oder mir eine Alternative überlegen können. Ich entschied mich für die Alternative, die zwar bedeutet, dass die Füße des Nachts über die Bettkante raushängen, was aber zwei Vorteile hat. Nämlich wir schlafen nebeneinander so, dass die eine, wenn sie früher aufsteht oder mal pinkeln muss nicht über die andere drüber klettern muss, und die baumelnden Füße sind so angenehm, gerade, wenn ich auf dem Bauch liege, dass ich es nicht mehr missen möchte. Mein rechter Fuß hängt dann zwar ein wenig in der Spüle, aber auch das stört mich überhaupt nicht.

Damit sich jetzt während der Fahrt die Matratzen nicht selbständig machen können, und für die Optik, und damit man ohne die Matten anheben zu müssen prima an die Schubladen kommt, hab ich ein Brett angepasst, was abends einfach raus genommen wird und morgens wieder eingesteckt wird. An der Spüle hab ich das einfach höher gelassen und so haben wir gleichzeitig einen Spritzschutz.

Das Arbeiten klappt super genial im Auto. Die drehbaren Sitze sind dazu einfach Gold wert. Der nutzbare Platz erweitert sich dadurch so unfassbar. Drehe ich meinen Sitz nur um ein Viertel kann ich die Füße auf den Beifahrersitz legen, drehe ich ihn ganz sitze ich direkt vorm Ende der Küchenzeile, ziehe unten mein Tastaturbrett wie eine Schublade heraus, starte über mir den mobilen Router, stelle mein Laptop auf den Küchenblock und los gehts.

Tina hat sogar zwei Möglichkeiten zum Arbeiten: Sie hatte sich gewünscht, dass sie auch während der Fahrt schreiben kann. Und so gibt es ein angepasstes Brett, was neben ihrem Sitz mit einem dicken Gummiband befestigt wohnt, was sie einfach vorne in die Ablage schiebt und loslegen kann. Die zweite Möglichkeit ist der drehbare, höhenverstellbare Tisch, der direkt an der Mittelkonsole im Blech festgeschraubt ist. Eine Halterung, mit mehreren drehbaren Rundrohren, feststellbar mit kleinen Hebeln, die Tinas Papa nach meinen Ideen für uns zusammengeschweißt hat.

Diesen Tisch können wir prima auch zum Spielen nutzen, oder ihn nach außen drehen, damit Tina draußen kochen kann, was aber auch so geht, wenn eine Bank zur Verfügung steht. Die Menschen die in der Zeit vorbei kamen, hatten alle ein Schmunzeln im Gesicht. 😉

Ok, kochen klappt prima, arbeiten und schlafen auch. Was fehlt noch? Ach ja, spülen, waschen, duschen, Wäsche waschen.

Der Wassertank war nach zwei Wochen im Auto dann auch extra für uns gefertigt, der Einbau klappte mega einfach, es ist alles dicht 🙂 und der Wasserhahn lässt einfach Wasser laufen, wenn die Pumpe an geschmissen wird. Wasser können wir uns von überall holen. Je dreckiger das Wasser allerdings ist, desto schneller ist der Filter zugesetzt, was manchmal bedeuten kann, dass nach 50 Litern einmal kurz der Filter ausgeschraubt werden muss um ihn kurz zu reinigen. Deshalb versuchen wir möglichst sauberes Wasser zu „laden“, was wir zum Beispiel in Bad Schwartau an einer Quelle prima tun können. Muckibude brauchen wir nicht mehr, denn die Quelle liegt ca. 150 m unterhalb vom Parkplatz. Bestückt mit jeweils einem 10 Liter Eimer bedeutet das 11 x runter und voll wieder hoch zu laufen…. Workout pur.

Wir kommen mit einer vollen Ladung von ca. 110 Litern im Moment 14 Tage gut hin. Das freut mich so so. Denn da fällt mir gleich unsere TTT ein. Unsere Trockentrenntoilette. Kein sauberes Trinkwasser, oder überhaupt fürs sich entleeren kein Wasser mehr benötigen, das gefällt mir so richtig richtig gut.

Haare waschen geht auch über der Spüle, ist zwar kaltes Wasser, aber Tina ist da hart im Nehmen. Ich würde mir wahrscheinlich dazu den Topf auf den Kocher platzieren und das Ganze mit warmem Wasser machen.

Duschen: Auf google maps hatten wir öffentliche Dusche eingegeben, haben bei zwei Marinas nachgefragt, die uns leider enttäuscht haben, denn dort kann man nur mit Boot und Zugang duschen. Dann fragten wir beim Lübecker Campingplatz nach. Nur Duschen, auch gegen Bezahlung, is nich…. so die Antwort. Nun ja, die Idee war ja entweder in einer Muckibude ein Abo zu buchen, oder das Schwimmbad zu nehmen. Ich wollte unbedingt erst das Schwimmbad ausprobieren. Es gibt in Lübeck ein paar Hallenbäder. Beim ersten zahlten wir den vollen Eintrittspreis und genossen die warme Dusche sehr. Beim zweiten mitten in der Stadt hatte ich, als die Kassiererin fragte:“ Sie wollen schwimmen gehen?“ Ein wenig den Schalk im Nacken und sagte:“ Nö, eigentlich wollen wir nur da rein.“ “ Wie bitte?“ „Wir wollen eigentlich nur duschen.“ Worauf sie sagte:“ Ah, prima, 2x duschen macht 3 Euro.“ Wie geil ist das denn? Die haben sogar extra in der Kasse Duschen eingetragen. Scheint öfter vor zu kommen, dass Leute nur duschen wollen.

Fürs Wäschewaschen steuern wir alle 7 bis 10 Tage einen der beiden Waschsalons in Lübeck an. Ich finde das so eine geniale Einrichtung. Ich komm da mit einem Sack voller Dreckwäsche an und 1,5 Stunden später mit sauberer, trockener wieder raus. In der Zwischenzeit hocke ich dort auf einer der Bänke und lese ein Buch und finde es einfach nur toll.

Strom ist ja auch endlich komplett erledigt – und bis jetzt reicht der meeeega. Trotz Kühlschrank im Dauerbetrieb, mittlerweile auch Heizung, Abends hell erleuchtet, diverses Handy und Laptop laden, sind wir noch nicht unter 85% gekommen. Wir fahren zur Zeit sehr wenig, das Wetter ist erst gestern mal endlich wieder trocken, und trotzdem laden die Solarmodule genug, dass der Akku einfach nicht leerer wird.

Ach, es fehlt ja noch die Geschichte der TTT…. mittlerweile, nach drei Umbauten haben wir für uns die perfekte Lösung gefunden. Über einen einfachen Trenneinsatz, der genaues zielen erforderte, was wir nicht immer hin bekamen, über einen großen und dann einen kleineren Eimer, dessen Inhalt es uns schwer machte, diesen zu entsorgen, geschweige denn den Geruch zu ertragen, sind wir jetzt bei einem kompletten Trenneinsatz gelandet. Wenn vorne mal ein bisschen daneben geht, läuft es automatisch in den Eimer dahinter. Geht gar nicht anders. Toipapier landet auch einfach im Eimer, nach dem Klogang mit festen Bestandteilen einfach ein bisschen Kleintierstreu drüber und es riecht über haupt nicht. Der Trenneinsatz hat zum Pipikanister noch einen Gummiverschluss, der sich nur öffnet, wenn mit Druck von oben in Form von Flüssigkeit reinfließt. Damit ist dieses Kapitel jetzt auch endlich zu aller Zufriedenheit abgeschlossen. Und wir müssen nicht dauernd nach einem Klo suchen. 🙂

Und sonst? Wir fühlen uns sauwohl in Wilma, jede hat ihren Platz gefunden. Ich bin sehr froh, dass wir erst mal im bekannten Raum unterwegs sind, um uns an alles zu gewöhnen, um raus zu finden, was noch verbesserungswürdig ist und um alles erst mal in gewohnter Umgebung zu erleben, bis wir dann wohl Mitte Dezember einfach mal losfahren werden. Das Ganze dann auch richtig unterwegs zu erleben. Schön eins nach dem anderen. Vielleicht fühlen wir uns auch deshalb so sauwohl im Auto, weil wir es langsam angehen und die Schritte so wählen, wie sie für uns passen… und uns damit nicht selbst überfordern, es doof finden könnten, und uns den Traum dadurch vielleicht kaputt machen würden.

Gestern fanden wir dann an unserer Windschutzscheibe einen kleinen Zettel, eingeklemmt unter dem Scheibenwischer. Strafzettel, kann doch gar nicht sein. Neugierig hole ich den Zettel rein und finde eine Nachricht von einem Mädel, aus der FB Gruppe vanlife girls, was wir beim Treffen am Edersee im Sommer kennengelernt hatten. Zufällig hat sie Wilma am Straßenrand stehen sehen und sie gleich erkannt. So schön 🙂 Es passiert auch schon, dass wir an der Ampel mega angehupt werden, sich eine Frau im neben uns fahrenden Auto wild winkend total freut, wir uns angucken, kennst du sie? wer ist denn das? Sie entweder nicht richtig erkannt haben, oder sie wirklich nicht kennen. Über Youtube und Facebook bekommen wir Nachrichten, von Menschen, die Wilma gesehen haben und uns schreiben.

Und dann hatten wir noch ein Minivanlifetreffen mit zwei Mädels auf „unserem“ Parkplatz mitten in der Stadt. So standen dort für eine Nacht drei Vans fast nebeneinander. Zum Abendessen saßen wir alle im Camper mit den meisten Sitzgelegenheiten und quatschten bis spät am Abend. Schön, diese Begegnungen.

Und wo stehn wir so zum pennen? Meistens auf einem Parkplatz mitten in der Stadt, in der Nähe von Tinas neuem Atelier. Dann ist es für sie nicht weit nach Hause zu kommen. Am Wochenende, oder wenn mal keine Termine anstehen, oder wenn sie genug gemalt und gewurschtelt hat, dann zieht es uns raus aus der Stadt. Im Moment stehen wir deshalb ein paar Tage direkt an der Elbe an einem irgendwie magischen Ort. Wir sitzen im dunkeln vorm Auto und schauen der Elbfähre zu, wie sie die immer wieder anrollenden Autos auf die andere Seite bringt. Unermüdlich, hell erleuchtet tuckert sie hin und her. Und ich denke darüber nach, ob dieser Job tatsächlich jemandem Spaß machen kann. Ich wünsche es dem Fährmann sehr 🙂

Ich selbst fühle mich manchmal etwas gefangen, in diesem gerade so nassen und tristen Lübeck. Meine Entscheidung, ich weiß. Es ist meine Entscheidung zu warten, bis Tina längere Zeit keine wichtigen unaufschiebbaren Termine mehr vor Ort hat. Es ist meine Entscheidung nicht einfach alleine los zu ziehen, dort hin, wo es wärmer ist. Ich bin einfach keine, die alleine loszieht, ich brauche jemanden zum Austauschen, zum sich Ergänzen in unbekannten neuen Situationen, an neuen unbekannten Orten, in Ländern in denen ich nie war, mit Sprachen, die ich nicht spreche. Und noch habe ich alleine einfach Schiss 😉 Also nehme ich es jetzt wie es ist und freue mich darüber, dass ich erst mal mit allem neuen im Leben klar komme, gewöhne mich daran Wilma als zuhause zu betiteln und nach Hause zu kommen, wenn ich eine ihrer Türen öffne, alles dabei zu haben ohne nachdenken zu müssen, ob was fehlt und den Alltag mit ihr und in ihr zu üben!

Alles in Allem? Es ist super spannend, es ist soo besonders, es ist warm genug, es ist voll und ganz praktikabel, es ist genau passend, es ist frei, es ist super geil… kurz:

Ich liebe das Leben mit Wilma.

Sobald es trocken ist, Tür auf, auf die Stufe hocken und meinen Salat mümmeln 🙂

P.S.: Die Schiebetür ist dann auch fertig geworden. Direkt an der Elbe, im Gras liegend den Filz eingeprüht und ran damit.

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