Meine Mama wird wahrscheinlich bald Post aus Frankreich bekommen

Ups, geschrieben und ganz vergessen, dass ich geschrieben hatte. Zu dem Zeitpunkt hatten wir noch kein Internet, und danach hab ichs einfach vergessen…. also etwas in der Zeit zurück an den Anfang unseres Unterwegsseins Richtung Süden 🙂

Und wenn sie, meine Mama, diese Überschrift liest, dann wird sie sofort schalten, dass das keine Postkarte mit nem schönen Bildchen drauf sein wird. Naja, ein schönes Bildchen von Wilma mit seltsam dreinblickender Fahrerin – das trifft es dann eher.

Ob oder ob nicht, da bin ich mir nicht sicher. Ich lass mich überraschen.

80 fahren, so auf Dauer, das finde ich richtig schwer. Mit Fred (T3) war das schon fast Vollgas und damit eher an der oberen Grenze. Und damit leicht zu halten, aber schwer weil ich mit aller Kraft aufs Gas treten musste. Bei Wilma tritt es sich so leicht ins Gaspedal, dass, wenn ich nicht dauernd kontrollieren würde, ich flux auf 100 wäre. Ein Tempomat wird gerade mein Traum.

Der Grenzübertritt in Höhe Freiburg war so was von unspektakulär. Hätte das Navi nicht ein riesiges Fenster aufgemacht, auf dem die neuen Geschwindigkeitsregeln von Frankreich gestanden hätten, hätte ich es fast nicht gemerkt. Natürlich dann doch, denn die Schilder sehen anders aus. Ich bin so wenig vorbereitet gewesen, dass ich mir noch nicht mal die Geschwindigkeitsvorschriften vorher angeguckt habe. Es hat ein paar viele Dörfer und Ortschaften gedauert, bis ich nicht durchs Navi hingewiesen wurde, dass ich mich bitte an die 50 halten sollte. Ich hab das Ortschild einfach nicht erkannt. Dann hab ich es endlich entdeckt 🙂 Ein weißes Schild mit einem schwarzen Namen drin und einem roten Rand…. ich war, ob des ganzen Neuen erst mal echt überfordert.

Dann noch mein eh komisches Gefühl Frankreich gegenüber dazu, was ich mir aber gar nicht erklären kann. Mein Ziel war einfach nur schnell durchfahren. Was bei über 1000 Kilometern aber gar nicht mal eben so geht. Also hab ich mich nach den ersten 200 eppes Kilometern, es wurde auch langsam dämmerig entschlossen, dass ich nicht mehr weiter fahren möchte. An einem Rastplatz neben der Bundesstraße, etwas weiter von der Strasse entfernt, beschlossen wir dann einfach stehen zu bleiben. Die Nacht war sehr ruhig, ich hab super geschlafen. Der Tag war auch mega anstrengend für mich.

Um die Maut zu sparen, haben wir dem Navi bescheid gegeben, geil, was das alles weiß 😉 Dadurch sind wir natürlich um einiges länger unterwegs gewesen, haben aber auch um einiges mehr gesehen. Wie die Dörfer und Städte sich langsam verändern, südlicher, wärmer werden. Mein Plan war zwar den zweiten Tag abends schon in Spanien zu sein, den hab ich aber ganz schnell aufgegeben. Erstens wollte Tina, wenn sie denn schon mal in Frankreich ist, auch ne Portion Pommes essen und dann hörte auch endlich der Regen auf. Die ersten eineinhalb Tage hatte es nur geregnet. Und nicht so gleichmäßig, dass der Scheibenwischer einfach seine Arbeit tun konnte. Nein, so unregelmäßig, mal volle Pulle, mal Niesel, mal wieder mehr, mal wieder weniger. Quietsch, wisch.

Das Navi sagte mir zur Einfahrt in Frankreich, dass ich auf Bundesstrassen nur 80 fahren darf. Dann zeigte es mir aber ganz oft an, dass ich 90 fahren könne, es sei denn es regnet, dann bitte nur 80. Die Franzosen, die halten sich da auch mega dran. Kaum einer, der überholt hat, mit meinen 80 🙂 Am zweiten Tag, als dann mittags endlich der Regen aufgehört hat, fuhr ich immer noch brav meine 80, hatte ich doch gerade eine Bergrunterfahrt nicht ganz aufgepasst und war wohl so auf 84 85 als es auf der linken Seite blitzte, aber nicht so rot und nervig, wie bei uns, sondern eher unauffällig weiß. Ob das jetzt wirklich einen Brief nach sich zieht, wird sich finden.

Als dann also der Regen aufhörte, fingen die Franzosen auf einmal an, mich mit meinen 80 zu überholen. Also lies ich Tina noch mal eben Google fragen, was denn nu die richtige Geschwindigkeit sei. 80… kam dabei heraus, aber eben auch, dass es extra Geschwindigkeiten für nasses Wetter gibt. Mittlerweile erkannte ich die vielen Blitzeranlagen, an den Straßenrändern auch schon von weiter weg. Immer sehr nett, vorher mit großen Schildern angekündigt. Da mich aber auch einige überholten, wenn ich in solchen Bereichen meine 80 fuhr, wurde ich mutiger und glaubte am Ende meinem Navi, was oft 90 sagte.

Scheint richtig gewesen zu sein.

Pause in einem Strassencafe in der Sonne, Jacke aus und 12 oder 13 Grad genießen. Welch eine Wonne. Eine nette Französin erklärte mir dann mit ihrem Handy, und einem Übersetzertool, dass es heute auch keine Parkgebühren kosten würde und so änderte sich langsam mein ungutes Gefühl.

Ein paar viele Kilometer weiter tauchte eine Tankstelle auf, die ich ganz spontan ansteuerte. Mein Französisch ist gleich Null. Aber ein Bonjour, ein qui, vier gezeigte Finger und ein merci reichten, um der netten Dame zu sagen, was sie eh wusste. Ich hab an Zapfsäule 4 getankt und will bezahlen. 😉

Dass es gegen 18 Uhr dunkel wird und die Stellplatzsuche im Hellen um einiges leichter ist, wissen wir ja. 🙂 Dass der erste Versuch, mitten in Bordaux aber mit einer Höhenbegrenzung von 2.00 in die Hose ging, weils nicht in der tollen App park4night stand. konnte Tina nicht wissen. Also weiter und erst mal raus aus der Stadt. Am Ende landeten wir dann doch schon ein wenig dunkel auf dem Parkplatz einer Kirche. An Heilig Abend würde uns da wohl niemand vertreiben. Um 10 war dann die Christmette, zu der der Parkplatz noch mal ordentlich voll wurde. Geschlafen haben wir himmlisch 🙂 Irgendwann fragte mich Tina, sag mal hast du die Heizung an, es ist sooo warm! Nein, hatte ich natürlich nicht. 😉

Ja und dann, dann sind wir gestern mittag auf einmal in Spanien gewesen. San Sebastian.

Genauso unspektakulär mit Info vom Navi. Das hätte ich dann wirklich auch an den Schildern fast gar nicht erkannt. Nach dem ich jetzt gefühlt alle Kreisverkehre von Frankreich befahren, 2x sogar umrundet hab, weil ich nicht mitgezählt hatte, stelle ich fest, dass es hier genauso weiter geht. Kein Wunder ist es mir heute nacht voll schlecht geworden 😉

In San Sebastian hoch oben auf den Berg gefahren und bei 18 Grad und blauem Himmel versucht einen Blick aufs Meer zu erhaschen, was uns auch gelungen ist. Der Stellplatz ein Stück weiter unten hat uns aber nicht so zugesagt und wir fuhren weiter. Stellplatz zwei, naja… Stellplatz drei… zu schräg und eigentlich auch nur ein Picknickplatz, Stellplatz vier nicht mehr vorhanden, Stellplatz fünf für Wohnmobile und LKW über 8m verboten, also zurück zu Stellplatz 2. Immerhin am Wasser 🙂

Hier werden wir jetzt einen Tag bleiben, denn der Tank ist fast leer und in den Bergen hier kann ich schwer abschätzen, ob das was da drin ist wirklich reicht um ans nächste Ziel zu kommen. Die Tankstellen haben hier an Feiertagen nicht geöffnet. Auf so eine Idee kam ich gar nicht. Wann gabs das das letzte Mal bei uns, dass ne Tanke zu hatte?

So jetzt sind wir in Spanien. jetzt sind wir am Ziel, in der Wärme und unterwegs, trotzdem fühlen wir uns beide irgendwie komisch. Wir wissen nix von hier, nur, dass es wärmer ist als in Lübeck. Sind wir ins berühmte Loch am Ziel eines Weges gefallen? Warum sind wir hier? Was sollen wir hier? Was soll das Ganze? Was wollen wir hier sehen? Gedanken, die uns gestern abend befallen haben. Also bleiben wir heute erst mal hier, haben uns ca. 100 Kilometer weiter in der Nähe von Bilbao einen Stellplatz gesucht, der hoffentlich so nett ist, wie er beschrieben wurde und werden dort erst mal ankommen. Rausfinden, wo man hier einkaufen kann, denn unsere Vorräte sind leer, rausfinden, wie das Leben hier so sein kann.

Ich bin mega gespannt.

P.S.: Noch hat meine Mama keine Post aus Frankreich bekommen 🙂

7 Antworten

  1. tina

    :o)) wenn ich denn schon mal in frankreich bin, ne portion pommes! als wärs das, was ich schon immer mal in frankreich erleben wollte..was ist schon der louvre gegen ein paar dünne gelbe frittierte knollenstreifen! ^^

    • Bo

      Hihi, aber war es nicht genau so? O-Ton“Wenn ich jezz scho ma hier bin, dann will ich abba auch ne Portion Pommes essen.“❤

      • Bo

        Ok fairerweise muss ich ja dazu sagen, dass Tina eigentlich nach Paris wollte, ich mich aber kolossal geweigert habe, dort hinein zu fahren 🙂 Da muss sie wohl mal alleine hin 🙂 Mit Bus und Bahn oder Mitfahrgelegenheit 🙂

  2. Lia

    HA! Ich hab auch ne Parisphobie. Und das nachdem ich vor 20 Jahren dort war. 🙂
    Nie wieder möchte ich DA Autofahren und schon gar nicht auf den Autobahnen drumherum.

    Frankreich liebe ich dagegen sehr.
    Danke für den so schön geschriebenen Bericht. Ich war fast mit Euch dort…

    Liebe Grüße, Lia

    • Bo

      Huhu liebe Lia,
      ach tut das gut… noch eine mit Parisphobie 🙂
      Und an Tina, siehste ist eine doch weiter verbreitete Krankheit, wie du wohl dachtest 🙂
      Ich wünsch dir noch einen schönen Restsonntag liebe Lia, bis zum nächsten Mal
      Bo 🙂

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