Ein Leben ohne Handy oder Smartphone

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Handys_01Ist das heutzutage überhaupt noch möglich? Hat die jetzt völlig eine an der Klatsche?

Das darfst du dich ruhig fragen. Ich frage mich manchmal eher das Gegenteil. 😉

Es hat schon eine Faszination

wo auch immer ich bin, mit allem und allen verbunden zu sein. Mittlerweile denke ich aber eher, dass es eine Sucht ist, das meiner Meinung nach unkommunikativste Gerät unserer Zeit pausenlos mit sich rum zu schleppen. Ok, schwer ist es nicht. Hosen haben heutzutage extra Smartphonetaschen, Rucksäcke und andere Taschen auch. Aber die meiste Zeit tragen so viele ihr „bestes Stück“ in der Hand vor sich her. Nicht umsonst gibt es eine App, die den Weg vor einem sichtbar macht, während man sonstiges auf seinem Smartphone anstellt.

Kinder von acht, neun Jahren

stehen keine 10 Meter von einander entfernt und telefonieren miteinander! Jugendliche „unterhalten“ sich per SMS! Schwangere „lagern“ ihr Smartphone auf oder an ihrem Bauch! Säuglinge schlafen neben Handys! Kleinkinder telefonieren und spielen damit! Menschen gehen in die „Natur“ und tragen ihr Smartphone vor sich her! Wartezeiten werden mit daddeln und facebooken überbrückt! Bei festgelegten Treffen, beispielsweise in Kneipen, zücken die Hälfte der Anwesenden ihre Smartphones und müssen ganz dringend was gucken, was antworten, was regeln! Freunde verabreden sich, gehen gemeinsam irgendwo hin und „reden“ nur mit anderen! Die meisten schlafen sogar mit Smartphone neben sich, um sich wecken zu lassen oder bloss nichts zu verpassen! Busse sind voll von Menschen, die sich zu 90 bis 99% mit ihrem Smartphone oder Tablett beschäftigen!

Denkt noch irgendjemand nach? Lässt sich noch irgendjemand nicht von sich selbst ablenken? Beschäftigt sich noch jemand mit sich selbst? Ist irgendjemand noch wirklich an anderen Menschen in seiner Umgebung interessiert? Müssen Kinder Smartphones haben? Ich übertreibe, ich weiß das.

Es gibt tatsächlich Berichte von Menschen, die ganz stolz sind, einige Stunden, oder sogar mal einen Tag ohne das „heilige Gerät“ ausgekommen zu sein, meistens aber nur, weil es kaputt war und so schnell kein neues zu kriegen war.

Ich weiß grad gar nicht, wo sich mein Smartteil befindet.

Es ist seit vielen Wochen aus. Ich brauche es nicht. Ich will es nicht. Wenn ich irgendwo eine Wartezeit überbrücken muss, dann nutze ich die Zeit, um meine Zukunft gedanklich zu kreieren. Mittlerweile freue ich mich auf solche Wartezeiten; früher konnte ich sie überhaupt nicht leiden. Und auch ich zog mein Phone aus der Tasche und fing an unnötig zu daddeln.

Offiziell heißt es zwar überall, dass vorhandene Strahlungen, und Handys beim telefonieren unschädlich sind, aber weißt du, dass der Chef von Nokia seinem Sohn kein Handy erlaubt? Das Phänomen ein vibrieren in der Hosentasche zu spüren, obwohl das Smartphone gar nicht „klingelt“, sagt vieles. Und mein Gefühl und mein Wabberhirn nach 2 Handysprechminuten sagen mir auch was anderes. Wie gut, dass jeder für sich selbst entscheiden kann. Ich will dir hier nämlich auf keinen Fall dein Smartphone ausreden oder es schlecht machen. Es ist mir völlig Wurst, ob du eins hast oder nicht, viel benutzt oder nicht. Ich beobachte nur und schreibe darüber, mehr nicht.

Mir reicht es, wenn ich nach 2 Minuten, die ich mit dem Handy telefonieren musste, ein Wabberhirn hatte, obwohl ich eins nutzte, das einen geringen SAR Wert hat. Das habe ich mit einem schnurlosen Festnetztelefon zwar auch, aber erst nach einer Stunde. Doch auch das ist in Arbeit ~ schnurgebundene Telefone gibt es noch ~ ja, ja 🙂 Allerdings ist es nicht so leicht, qualitativ gute schnurgebundene Telefone mit Anrufbeantworter zu bekommen. Es sei denn man hat mal eben 300 Möppen dafür übrig. Wobei sich die Minimalistin in mir gerade fragt, ob ein Anrufbeantworter überhaupt nötig ist. Im Display sehe ich schließlich, wer angerufen hat, und ob derjenige nu noch einen Spruch ablassen kann: „ruf mich mal an“, ist vielleicht auch völlig unnötig.

Sogar selbständig sein geht ohne.

Ich kenne einen Metaller, der völlig ohne Handy, ohne Internetseite und ohne Anrufbeantworter volle Auftragslisten hat. Wenn er in der Werkstatt ist, und gerade, das übrigens schnurgebundene Telefon ohne Display, hört, geht er ran, wenn die Maschinen zu laut sind, dann eben nicht. Zurückrufen kann er nicht, weil er die Nummern nicht sehen kann. Dieser Mensch hat mich, seit ich ihn kenne, fasziniert. Ich hatte einige Aufträge mit ihm gemeinsam erledigt. Wenn man Glück hat, kennt man seine E-Mail Adresse und kann ihm schreiben. Er antwortet garantiert innerhalb einer Woche, da er eben nur einmal die Woche nach Mails guckt. Einfach Geil. 🙂

Ich habe inzwischen einen Spruch für meine Kunden auf der Mailbox, die übrigens nicht besprochen werden kann, dass ich nur noch über Mail zu erreichen bin. Das schreckt vielleicht einige ab, da ich aber sowieso nur zu ganz ganz wenigen Aufträgen wirklich Lust habe, passt das wunderbar. Übrigens halte ich das jetzt seit einigen Monaten so, und siehe da, eine ganz neue Art von Aufträgen hat sich aufgetan, die ich von zu Hause aus gemütlich und mit großer Lust ausführen kann. Mein Mut und mein Vertrauen darin, dass immer für mich gesorgt ist, hat sich wieder mal bestätigt. 🙂 Ich liebe das Leben!

Du würdest gerne wissen, wie ich mein Smartphone „losgeworden“ bin?

Zuerst habe ich Facebook runter geschmissen, mich hat es mehr und mehr genervt, das Gepiepe. Dann hab ich die Internetflat, die sowieso schon immer sehr klein war, die ich aber nie völlig gebraucht habe, nicht mehr verlängert. Daraufhin habe ich die komplette Möglichkeit ins Netz zu gehen ausgeschaltet. Es mag vielleicht einige überraschen, aber das geht 🙂 Einfach die Datenübertragung deaktivieren. 🙂 Nach einigen Wochen dann beschloss ich, einfach mal auszuprobieren, was passieren würde, wenn ich das Ding gar nicht mehr anmachen würde.

Es passierte nichts ~ also nichts schlimmes. Im Gegenteil, ich wurde entspannter als je zuvor. Und nun genieße ich es maßlos, einfach ohne zu sein. Ein paar mehr Menschen haben seit dem meine Festnetznummer bekommen, ein paar pfiffige Ideen sind entstanden, sich gegenseitig zu erreichen, so wie es früher eben auch ging 🙂 Absprachen müssen jetzt etwas genauer geplant werden, aber es funktioniert ganz ganz wunderbar auch OHNE. Anfangs dachte ich, ich müsse mir vielleicht eine Uhr zulegen. Das ist aber auch völlig unnötig. Es gibt so viele Uhren um einen rum, im Auto ist eine, an Backöfen befinden sich welche, manchmal steht einfach eine in der Stadt rum, und ~  es gibt Kirchenglocken, die läuten sogar alle Viertelstunde und sind weithin zu hören. Wenn ich mich ein wenig darauf konzentriere, dann brauche ich keine Uhr bei mir zu tragen. Ich würde sowieso nur unnötig oft drauf gucken und hinterher nicht wissen, wie spät es ist. 😉 Mein Zeitgefühl ist seit dem noch viel besser geworden. Das einzige wofür ich im Moment noch ein Handy brauche ist fürs Onlinbanking. Würde die Post nicht streiken, wäre allerdings mein Tangeneriermaschinchen schon hier. 🙂 (Sie sollen ruhig solange streiken, bis sie bekommen, was ihnen zusteht.)

Ich möchte mich mit Menschen wirklich unterhalten, ich möchte sie kennen lernen. Es muss nicht immer ein übermäßig tiefes Gespräch sein, aber die liebe ich am meisten. Und verbunden bin ich mit allen und jedem den ich mag, sowieso, und mit allen anderen Menschen auch, allerdings auf eine völlig untechnische Weise, die mir persönlich viel mehr gibt.

Findest du es auch so mega unhöflich, wenn du jemanden besuchst und derjenige hängt dauernd mit dem Smarti bei seinen Facebookfreunden rum?

Mein Besuch bleibt dann einfach für die Zukunft aus. 🙂

bo unterschrift

Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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34 Responses

  1. uncipaws

    Facebook hatte ich nie, Whatsapp schon (gleiches unternehmen, daher inkonsequent, aber das ist eher um mit der familie in kontakt zu bleiben). Ich habe aber bei sämtlichen messengern den signalton ausgeschaltet, um nicht ständig genervt und bei der arbeit gestört zu werden.

    Auch bei der aktuellen smartphone-generation bin ich von der batterielaufzeit enttäuscht. Aber bei längeren touren gehe ich in den „ultrasparmodus“, wo dann wirklich nur noch die nötigsten funktionen gehen ….

  2. Alina

    Super Bericht!! Ich bin da absolut gleicher Meinung. Ich beobachte es auch täglich, dass jeder an seinem Smartphone rumspielt. Ich finde das sehr schrecklich und, wenn ich mit einer Person im Gespräch bin und diese nur an seinem Handy hängt, auch sehr unhöflich.

    Ich besitze ein olles Handy, mit einem Klingelton und ohne Internetfuktion. Ich kann nur SMS schreiben und Telefonieren.
    Ich finde es aber auch sehr unangenehm mit dem Handy zu telefonieren, ich benutze lieber das Headset, um mir das Handy nicht direkt an den Kopf halten zu müssen. Ich habe mir auch schon überlegt, das Handy loszuwerden, vielleicht mache ich das auch.
    Ich habe es nicht immer dabei, wenn ich in die Natur gehe und abschalten möchte, dann lasse ich es gerne zu hause.

    Liebe Grüße
    Alina kürzlich veröffentlicht…Mein Weg zum MinimalismusMy Profile

    • Bo

      Hallo Alina,
      da bist du ja schon ein „Außenseiter“, wenn du kein Smartphone hast, sondern nur ein olles Handy… Ich finde das klasse. Bin gespannt, wie du dich entscheidest 🙂
      Liebe Grüße von Bo

  3. uncipaws

    Es stört mich auch noch ganz was anderes …

    Wenn ich alles nutze, was ein smartphone so anbietet – Kamera, Navi, Tracking usw. – dann ist die batterie in wenigen stunden leer. Das heißt, bei längeren touren gehe ich in den „ultrasparmodus“, der fast nur noch die einfache telephonfunktion bietet. Das heißt, aus batteriespargründen muss ich das smartphone zum dummphone degradieren.

    Die batterielaufzeit verbessert sich leider überhaupt nicht: die geräte werden immer flacher, leichter und leistungsfähiger, was jeglichen fortschritt der batterietechnik auffrisst.

    • Bo

      Hallo uncipaws,
      was soll ich dazu sagen? Mir fällt grad nix ein. 😉
      Liebe Grüße von Bo

    • [asc]

      Man kann sich auch mit einer oder mehreren »Power-Bank«-Zusatzakkus abschleppen. Irgendwann hat man dann die Masse-Einsparung durch den Verzicht auf Wanderschuhe wieder kompensiert …

  4. Häh

    Wir haben keine Mobiltelephone in unserem Haushalt. Wir haben übrigens auch keinen Fernseher (Doofquatsche ist der Obebegriff für beide Dinge). Seit zehn Jahren. Wo liegt das Problem? Wir werden nicht rund um die Uhr verstrahlt und bekloppt gemacht. Ich kann mir ein Leben mit diesen Dingen nicht vorstellen, weil ich sie aus tiefstem Herzen hassen und verachte! Sehen Sie, ich schreibe sogar in korrektem Deutsch. Ist es denn zu fassen?

    • Bo

      Hallo Häh,
      finde ich klasse, ohne all diesen Kram zu leben. Ist heute halt wirklich die Ausnahme. Also meinen Glückwunsch.
      Grüße von Bo

  5. Häh

    Da habe ich mir selbst ein Ei gelegt. Es heißt „hasse und verachte“. Hochmut kommt vor dem Fall!

    • Bo

      Und nochmal hallo Häh,
      Glückwunsch auch zum korrekten Deutsch 😉
      Liebe Grüße

  6. Kate

    Hey,
    danke für den Artikel. Langsam wird es echt Wahnsinn. Mein smartphone stresst mich. Ich gebe zu, ich habe noch etwas Angst, das Internet aus meinem Vertrag raus zu nehmen.. Aber ich lasse es jetzt die meiste Zeit aus und whatsapp werde ich als erstes löschen. Als ersten Versuch!
    Du hast mir auf jeden Fall Mut gemacht, mich wieder in ein normales, suchtfreies Leben zu begeben. Danke danke danke!!
    Ach ja, und ich liebe den Spruch „Mein Mut und mein Vertrauen darin, dass immer für mich gesorgt ist, hat sich wieder mal bestätigt.“
    Damit versuche ich mich auch immer vertrauter zu machen!
    Liebe Grüße, Kate

    • Bo

      Hallo Kate,
      freut mich sehr, wenn ich dich inspiriert habe. Ich bin mittlerweile zwar gefühlt die einzige ohne Handy, aber ich fühle mich so frei und gut damit. Sprich, ich vermisse es überhaupt kein bisschen.
      Ganz liebe Grüße Bo

  7. Agrarflächendesigner

    Super Artikel. Ich hatte ein Smartphone und hab es in die Tonne gekloppt. Whats App hatte ich knapp ein Jahr und dann genervt deinstalliert. Dieser Dauerbeschuss war nix für mich. Benutze jetzt wieder ein stinknormales Telefon mit Outdooreignung. Fratzenbuch hatte ich nie und will´s auch nicht. So viel verschwendete Zeit für so viel Exhibitionismus. Ganz möchte ich auf mein Mobiltelefon nicht verzichten, das ich Unternehmer bin und quasi eine Einmannfirma habe. Aber ich stelle es regelmäßig ab .-). Es gibt ja auch noch Festnetz mit AB Email.

    Liebe Grüße
    Agrarflächendesigner

    • Bo

      Hallo Agrarflächendesigner, 🙂
      ich dachte auch immer, ich könnte nicht ohne Handy, so als selbständige Unternehmerin. Geht aber doch, sogar wunderbar. Ich brauche gar kein Handy mehr. Seit einer schon wirklich langen Zeit. Ich fühl mich super ohne, und alles, aber auch alles lässt sich prima anders regeln.
      Liebe Grüße von Bo

  8. Kai

    Hallo,super Artikel.Beschreibt in treffenden Worten,was ich auch tagtäglich so erlebe.Ich finde es mittlerweile wirklich traurig wie abhängig sich die Menschen von ihren „Geräten“ gemacht haben.Aber genau so wollte die Industrie das auch.Und:Sie haben gewonnen.Die Werbung hat den Rest erledigt.Die meisten spielen auch mit,da sie nicht als „Außenseiter“ gelten wollen.Traurig wie selbsbewusst die Menschen so sind.Ich hab auch nur so ein“olles“ Normal-Mobiltelefon mit Prepaidkarte.Internet habe ich zuhause wo der PC steht.Kein W-Lan Netzwerk usw.Wenn ich fertig mit surfen bin wird ausgemacht.Das geht ! Warum sollte man immer und überall im Netz sein ? Um sich den Müll bei Facebook und Co anzuschauen den Leute da posten,weil sie so ein großes Geltungsbedürfniss haben ? Sorry,brauche ich nicht.Hab mein eigenes Leben und genug Sachen um die ich mich kümmern muß,als ständig nachzuschauen,was „andere“denn so machen.Ich glaube die Faszination für andere rührt eher daher,daß diese Menschen selber kein eigenes Leben haben.Wenn ich mitkriege,daß Ultraschallbilder von Kindern gepostet werden(ehemaliger Kollege),die nicht einmal das Licht der Welt erblickt haben wird mir schlecht.Sogar aus dem Kreissaal direkt nach der Geburt wurde gepostet.Neugeborenes und noch alles voller Blut……Das wäre mir alles viel zu privat.Aber so ist das heute:Noch nicht einmal auf der Welt aber schon im Netz präsent.Privatsphäre ? Was ist das ? Ich sag nur 1984 !
    Und wenn ich wirklich mal nichts zutun habe möchte ich einfach mal entspannen.Und das geht am besten ohne alles.Und wenn man mit jemandem reden möchte,dann lieber ein kurzes informatives Telefonat,als stundenlanges hin und hergesimse,welches auch nur die unterste Art der Kommunikation darstellt.
    Lieben Gruß
    Kai

    • Bo

      Hallo Kai,
      danke für deinen ausführlichen Kommentar. Ja, ja, ja… ich stimme dir zu. Lieber mit wenig glücklich als mit viel belastet. Ich habe seit einem Jahr gar kein Handy mehr und ich vermisse es nicht, ich brauche es nicht. Ich bin sehr zufrieden ohne. 🙂
      Liebe Grüße von Bo

  9. Fee

    Hi,

    super Artikel. Werde meine Smartphone reparieren lassen und bei Ebay einstellen. Dann mein
    Samsung Uralt-Handy bestellen.

    Habe mir zum letzten Geburtstag von meinem Mann eine Polaroidkamera schicken lassen. Man überlegt
    sehr achtsam, was man fotografiert, weil 1 Foto = 1 € kostet.

    Ich war heute beim Arzt un habe einen 4 Jährigen jungen am Smartphone seiner Mutter gesehen.
    Wie der sich auskannte. Ich war echt schockiert.

    Liebe Grüße
    Fee

    • Bo

      Hallo Fee,
      besonders, dass die Kinder all diese Strahlen abbekommen finde ich mega schlimm. Sie können sich noch nicht dagegen wehren. Auch ein 4 jähriger sollte lernen einfach mal nichts tun zu müssen, einfach mal da zu sitzen und mit der Mutter zu quatschen oder seine Gedanken schweifen zu lassen.
      Ich bin jetzt seit einem Jahr ganz ohne Mobiles Telefon und vermisse es kein bisschen. 🙂
      Liebe Grüße von Bo

  10. Neffe

    Ich habe mir erst Ende 2013 ein einfaches Einsteiger-Smartphone (Nokia Asha 206) zugelegt. Sozusagen „um mit der Zeit mitzugehen“. Mobiles Internet für die Hosentasche? Alle schwärmten davon. Also warum eigentlich nicht? Und anfangs waren die vielen Funktionen und Apps auch mehr oder weniger interessant und teilweise auch praktisch, fraßen mit der Zeit allerdings immer mehr wertvolle Zeit. Es vergingen oft kaum 10 Minuten ohne einen Blick auf die Mattscheibe. Hier und da fix antworten oder schnell noch dieses und jenes nachschlagen oder schnell noch einen Schnappschuß machen und teilen usw. Und dann war da ständig das Gefühl etwas zu verpassen. Der Daddelkasten nahm nach und nach immer mehr Raum ein und verdrängte immer mehr das wirkliche Leben aus meinem Leben. Ich ertappte mich immer häufiger dabei, völlig grundlos in die Hosentasche zu greifen und nachzuschauen ob es etwas neues gibt. Psychologen nennen das „das Jucken in der Hosentasche“. Nach rund 6 Monaten wurde es mir dann zu stressig und ich habe das Ding verkauft und bin wieder auf mein altes Motorola C123 umgestiegen. Damit bin ich auch erreichbar, wenn etwas wichtiges sein sollte. Man kann damit telefonieren und SMS schreiben. Und mehr brauche ich auch nicht. Alles andere ist in meinen Augen nur Schnickschnack der ständig ablenkt und die Realität immer mehr verdrängt. Ich möchte und muss unterwegs weder chatten noch Bilder oder Videos anschauen oder Musik hören. Und meine E-Mails beantworte ich lieber bequem und in aller Ruhe zu Hause am Laptop. Zumal die meisten E-Mails sowieso belanglos sind. Und mein C123 hat gegenüber einem Smartphone noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: der Akku hält mehrere Tage!
    Mein Fazit: Ein Leben ohne Smartphone geht und das sogar sehr gut. Ich habe den Umstieg auf mein altes Tastenhandy nie als Verlust sondern als Bereicherung wahrgenommen.

    • Bo

      Hallo Neffe,
      danke für deinen langen Kommentar. Ich nutze jetzt seit über einem Jahr gar kein Handy mehr, obwohl ich anfangs auch dachte ich könnte nicht selbständig sein ohne eins zu nutzen. Aber: es geht hervorragend. Ich vermisse das Handy kein Stück, ich brauche es definitiv nicht. Und das ist ein sehr befreiendes Gefühl. Die Kommentare von anderen, die nach meiner Mobilnummer fragen sind dann schon eher erheiternd. 🙂
      Liebe Grüße von Bo

  11. Neffe

    Ganz ohne Handy zu leben wäre für mich im Grunde auch kein Problem. Ich brauche mein Handy aber auch aus beruflichen Gründen. Aber im privaten Bereich ohne auszukommen wäre kein Ding. Meins liegt oft stundenlang auf lautlos oder ganz aus zu Hause in der Ecke.

    • Bo

      Das gute ist, wenn man, du, ich etwas wirklich will, willst, will, nämlich auch beruflich ohne auszukommen, dann geht das auch. Ich dachte auch erst es würde nicht gehen. Funktioniert aber prima.
      Grüße von Bo

  12. Neffe

    Hallo Bo

    im Grunde hast du recht. Vor 20 Jahren habe ich ja auch ohne Handy gelebt.

    Grüße aus Neffhausen

  13. Jean-Pierre

    Servus Bo, deine Einstellung zur Natur gefällt mir. Ich passe nicht in die Handy oder Smartphone Generation, weil mich dieser unübersichtliche Computerkram nicht interessiert, dann möchte ich lieber ein einfaches Telefon.

    Mit freundlichen Grüßen Jean-Pierre

    • Bo

      Hallo Jean-Pierre,
      danke schön. Genau, ein Telefon mit Schnur dran so wie früher. Hab ich auch 🙂
      Liebe Grüße von Bo

  14. Cathy

    Hallo Bo,

    mit Begeisterung habe ich deinen Blog gelesen und dachte: Endlich mal jemand, der das auch so sieht wie ich. Hatte schon geglaubt, der einzige Mensch in Europa zu sein, der kein Handy hat.
    Allerdings fehlt mir in deinem Artikel etwas. Du schreibst viel von der Erleichterung die du verspürst, nicht mehr von deinem Handy geknechtet zu sein, deine Gedanken wieder fließen lassen zu können, wieder du selbst sein zu dürfen. Gut und schön. Aber was ist mit all den Widrigkeiten, denen man als handyloser Mensch immer wieder und vor allem immer öfter ausgesetzt ist?
    Meinereiner schreibt auch einen Blog und in diesem werden diese Widrigkeiten immer wieder thematisiert. Beispielsweise, daß ich bei keiner der Banken, die ich mir ausgesucht habe, ein Festgeldkonto eröffnen kann, weil man dazu ein Handy braucht.
    Oder daß ich von der Benutzung der Packstation ausgeschlossen wurde, als die Magnetstreifenkarte abgeschafft wurde und die Benutzung nur noch mit Handy erfolgen kann.
    Angeblich wegen der Sicherheit.
    Ich begreife es nicht.
    Die Leute trotten alle dahin wie die Schafe zur Schlachtbank, wenn ich über meine neuesten unglaublichen Erlebnisse schreib dann kommt bestenfalls mal ein kurzes: Echt? Krass … und dann wird weiter geappt und gesmst wie zuvor.
    Hast du solche Erfahrungen auch schon gemacht?
    Und wie gehst du damit um?

    Liebe Grüße,
    Cathy

    • Bo

      Hallo Cathy,
      oh wie schön, eine die auch ohne auskommt. Hm, ich denke gerade mal nach, bis jetzt ist es mir tatsächlich nicht passiert, dass ich irgendein Konto etc. nicht eröffnen konnte, weil ich kein Handy habe. Mein Konto besteht seit Jahren, das einzige, was nicht mehr ging, war das Online Banking. Dafür hab ich mir so einen gebrauchten Tangenerator gekauft, damit geht das wunderbar. Übrigens hier oben aufm Dorf wäre für ein Handy sowieso kein Empfang, also würde das mit dem Online Banking eh nicht mit einem Handy funktionieren. Meine Packstation braucht noch nicht mal ein Schloß, das sind nämlich meine Nachbarn 🙂
      Falls mir was richtig doofes passieren sollte, weil ich kein Handy besitze, dann werde ich dir das auf jeden Fall mal mitteilen. Und wenn mir noch was einfällt, an was ich gerade nicht denke, dann auch 😉
      Liebe Grüße in den Süden
      von Bo

  15. A. Siouda

    Als Schriftststellerin bin ich oft zuhause vor dem Computer. Wenn ich aber raus gehe, z.B. zum Velofahren in der herrlichen Natur, ist das Handy stundenlang ausgeschaltet. Ich habe auch gar keinen Zugang zum Internet draussen, ausser per Wlan im Haus. Im Bus oder Tram sitze ich gerne und schaue hinaus. Auch im Zug. Die Gedanken schweifen lassen ist schön und für mich selbstverständlich. Ich habe auch Zeit und Musse, dankbar zu sein für das mir geschenkte Leben.

    Leider ist es so, dass sich die meisten Menschen selber versklaven lassen, so wie du es beschreibst. Vielleicht gibt dein Text dem einen oder anderen einen Anstoss, mal über die eigene Sucht nachzudenken.

    • Bo Pohl

      Hallo Anja,
      danke für deine Zeilen, sorry, dass ich sie jetzt erst sehe. Ja ich wünsche mir auch, dass mehr Menschen sich einfach ihrem Nachbarn zuwenden, also ihrem Phone 🙂
      Was schreibst du so?

      Liebe Grüße von Bo

  16. Tanja B

    Nachdem ich FB deaktiviert habe hat mein Umfeld schon reagiert, wenn auch teils verständnislos. Dann flog Insta, demnächst wirs es jede Art Messenger sein. Stück für Stück, denn ich bin mir meiner psychischen Anhängigkeit bewußt ☺
    Ja ich kann dann bei vielem nicht mitreden, aber muss ich das denn? Möchte ich das denn?
    Zeit zum Bücher lesen und mich auf mich selbst besinnen, darauf hab ich mächtig Lust.
    Das Internet nutzen, um beispielsweise Artikel wie diese zur Inspiration zu erhalten, werde ich weiterhin. Mein Glück liegt im nutzen DÜRFEN – ohne Zwang und vermeintliches Pflichtgefühl.

    Gruss, Tanja, 38, 4fach Mutter.

    • Bo

      Hallo liebe Tanja,
      klingt genau richtig für mich. Ich werde wohl am Jahresende einen neuen Selbstversuch starten. 10 Tage lang ohne Internet, ohne Strom, ohne Bücher, ohne andere Menschen. Nur mit mir, Papier und Stift.
      Ev. setz ich noch einen oben drauf und faste nicht nur digital sondern lass auch den Kühlschrank leer. (der hat ja dann eh keinen Strom) 🙂

      Liebe Grüße von Bo
      und ich denke ja, man verpasst gar nichts, man hat sehr viel mehr. Was kann man mehr haben als Zugang zu sich selbst, ohne sich dauernd ablenken zu wollen/ müssen?

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