Oh mein Gott was n Berg

Eingetragen bei: Barfußlaufen, Sohlenbrenner Tour 2016 | 12

 


Nicht viel ahnend sind wir gestern einfach drauf los gelaufen, wie jeden Morgen. Nach ca. 5 Kilometern allerdings tauchte ein Berg auf, was die letzten Tage ja nun auch nicht wirklich besonders ist. Dieser Berg jedoch ließ uns keinen Weg durch ein Tal neben dem selbigen erkennen und ich schaute dann doch einmal auf die Höhenangaben unseres vorgeplanten Weges.

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Was ich da sah, hätte ich lieber nicht gesehen, denn die Höhenkurve ging eigentlich von 140 auf fast 400 m senkrecht nach oben in nur 1,8 Kilometern Wegstrecke. So schlimm kanns ja nicht werden, dachte ich, ist ja als Radweg eingetragen und wir gingen einfach mal weiter. Eine Alternative gabs irgendwie auch nicht wirklich.

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Au weia, steil ist gar kein Ausdruck. Die Karre vor mir herschiebend, beide Arme voll ausgestreckt an den Griff geklammert, fast parallel zum Boden gehend kam ich Meter für Meter vorwärts. Irgendwann ging selbst das nicht mehr. Und Mitten in der steilsten Schräge zurrten wir noch mal eben vorne einen Gurt an die Karre. Nur für den Notfall dachte ich, könnte Tina dann vorne gehend die Karre halten.

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N Screenshot von nem Filmchen, denn Tina kann irgenwie immer filmen. 🙂 das freut den Filmer sicher sehr.

Es gab keine eine Möglichkeit über ewig lange 1,8 Kilometer eine Pause einzulegen, ohne die Karre trotzdem mit vollem Körpereinsatz halten zu müssen. Tina zog oben wie irre, ging dabei meistens rückwärts. Ich hab keine Ahnung wie viele Kilos ich da jeden Schritt nach oben gestemmt habe. Zuerst die Karre nach oben, dann ein zwei Schritte nachgezogen, bei denen dann die Karre oft wieder einen Schritt nach unten rollte.

Leckere Brombeeräste, die sich vom Rand in die Mitte des alten Kollonnenweges ihren eigenen Weg bahnten, blieben regelmäßig am Hänger hängen um dann mit voller Wucht gegen Beine Bauch oder Gesicht zu schnalzen. Wow, ich war immer begeisterter.

Mittlerweile nassgeschwitzt trat ich bei jedem Schritt die irgendwie immer länger werdenden Hosenbeine noch länger und latschte mir die Hose fast von den Hüften. Die Bremsen, die uns seit einigen Tagen verfolgen, ließen uns natürlich auch auf dem Berg nicht in Ruhe. Nur, im Normalfall einmal draufkloppen und gut ist. Aber lass mal die Karre los….. also stechen lassen und einfach mal losschreien.

Tina wurde von Zentimeter zu Zentimeter immer ruhiger, ich immer lauter. Irgendwann hab ich so n richtigen Brüller losgelassen. Stell dir vor du siehst, wenn du hochschaust das Ende der Bäume, alles wird hell und du wähnst dich endlich oben, kommst dort an und musst einfach nur mal links oder rechts weitergehen und es sieht wieder genauso aus, wie schon die ganze Zeit.

Die Betonplatten mit ihren Langlochschlitzen taten ihr übriges. Einerseits konnte ich meine Zehen da schön reinklemmen und mich so Loch für Loch höher arbeiten, andererseits trat Tina, weil sie ja rückwärts ging oft so doof da rein, dass sie sich die Füße halb verknaxte aber die mittlerweile gut trainierten Sehnen haben sich dann doch nix anmerken lassen. Die Karre blieb mit den Rädern gerne in diesen Löchern hängen, was mich immer mehr fluchen ließ. Dazu kamen dann noch nette Disteln, Brennesseln und trockene Brombeeräste, auf die ich auch noch achten musste. Eine Dorne trat ich mir dann doch in den Fuß. War aber gar nicht so schlimm.

So am Ende war ich während der ganzen Tour über so eine kurze Strecke noch nie gewesen. Und was macht Nima? Sie zieht einfach locker mit uns hoch, bleibt schön in der Nähe und pflückt sich mal in aller Seelenruhe die Brombeeren vom Strauch.

Endlich oben angelangt stand da ne Bank mit Aussicht ins Dorf unten. Boa, hätte ich echt drauf verzichten können. Das Etappenziel des Tages den Campingplatz in Reiffenhausen erreichten wir nicht mehr. Als Tina in Hohengandern nach Wasser fragte, war es schon 20:30 Uhr. Also fragte sie auch gleich, ob es vielleicht eine Wiese hinterm Haus gäbe, wo wir unser Zelt aufschlagen könnten. Uns wurden die Wasserflaschen aufgefüllt und wir wurden ca. 200 Meter weiter auf einen Grünstreifen geführt, der den Leuten gehörte. Da vorm Holzstapel könnten wir sehr gerne das Zelt aufbauen, und ob wir genug zu essen hätten, sie würden uns sonst auch noch ein paar Brote schmieren. Ist das nicht wieder süß?

Also hatten wir heute morgen nur eine kurze Etappe nach Reiffenhausen und konnten so mal wieder Wäsche waschen und ein bisschen ausruhen.

Der Versuch für morgen in Göttingen eine Bleibe zu finden gestaltet sich gerade sehr schwierig. Ob Couchsurfing, airbnb, Hotels, Pensionen, Zimmer, Hostels, Bed&Bike, nix zu finden, was im Norden liegt und einigermaßen bezahlbar ist. Also haben wir gerade beschlossen, dass wir einfach losgehen und schon irgendwas finden werden. 😉

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Das stand neulich auf der Straße. Hat bestimmt jemand extra für uns drauf gemalt. 🙂

Bei Kilometer 700 sahen wir dann mal so aus:

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bo unterschrift


Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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12 Responses

  1. Rolf

    huhu ihr beiden!
    von wegen die erste etappe war die schlimmste :),
    komme euch bald besuchen,braucht ihr noch was?
    viele,viele grüsse vom filmer!

    • Bo

      Hallo Rolf,
      oh, wie schön, Besuch 🙂 vom Filmer.
      Wann und wo????
      Liebe Grüße

  2. Manuel

    Hallöle ihr drei^^
    Ich bin aus Zufall auf euren Blog gestoßen. Da sucht man nach Barfußlaufen und Biomechanikund findet euch ^^
    Lese interessiert mit, super Sache die ihr da macht. Ich bleib dran!
    Ballengängige Grüße und daumendrücken für euch aus der schönen Vulkaneifel.
    Manuel

    • Bo

      Hallo Manuel,
      freut mich, dass du den Blog gefunden hast. Und Grüße in die Eifel
      von Bo

  3. Rolf

    hallo ihr beiden,
    entweder anfang oder ende nächster woche,
    soll ich noch was mitbringen oder vielleicht mitnehmen?…:)
    bis bald,haltet durch!

    • Bo

      Hallo Rolf,
      cool, eher noch was mitnehmen, wenn wir es bis dahin noch nicht selbst weggeschickt haben.
      Vielleicht bringst du das kleine Mikro mit, und wir können testen, ob es ans Handy passt.
      Ansonsten haben wir alles was wir brauchen. 🙂
      Liebe Grüße
      Tina und Bo und Nima

  4. scratch

    Schlitze im Boden ???? War das ein künstlicher Berg ??? Vielleicht seid ihr über ein schlafendes UFO gelatscht ohne es zu wissen, BOAHHHHH.
    Ja, DURCHHALTEN – ihr habt schon soviel geschafft, das ist einfach bewundernswert und schon 700km erobert…das muß erstmal jemand nachmachen.
    Heil euren Wunden und weiter Mut und Neugier !!!

    • Bo

      Hallo Scratch,
      die Schlitze im Boden hätten natürlich auch n Ufo sein können, lustige Idee. Es waren aber einfach nur die alten Betonplatten, die eben diese Schlitze haben. 🙂
      Mal Längs mal Quer, damits nicht langweilig wurde. 🙂
      Liebste Grüße
      und heute sinds schon 756 Kilometer. Wir kommen in großen Schritten näher. Sind eben durch Göttingen komplett durchgelatscht und pennen nu auf der Wiese von nem Kleingartenverein. Erlaubter Weise. 🙂
      Bo

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