Zuckerfrei seit 2015 – Und dann ist es einfach passiert.

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Ich hab grad mal geschaut: am 12.3.2015 hatte ich meinen letzten Tag, an dem ich Zucker zu mir genommen habe. ( so ein Blog ist schon echt praktisch, was ich hier alles nachlesen kann 😉 ist schon toll) Also raffinierten Industriezucker. Seit dem hab ich auch nicht wieder damit angefangen. Es ist mittlerweile so normal geworden, dass ich es gar nicht mehr als etwas Besonderes sehe. Und trotzdem ist es das. Ich, als ehemaliger Zuckerjunkie; hatte ich einmal angefangen, ob morgens, mittags, abends… ganz egal, ich konnte nicht mehr damit aufhören, bis ich schlafen gegangen bin. Ich hatte mir schon echte Regeln aufgestellt, erst was vernünftiges, dann was zuckriges; erst am Abend damit beginnen usw. Das hat mir ganz gut geholfen, aber dennoch konnte ich nicht aufhören, wenn ich mal angefangen hatte. Irgendwann, nämlich am 12.3.2015 hatte ich die Schnauze voll, wohl so voll vom Zucker, dass ich beschloss aufzuhören.

Ja, und das war der Anfang, der Anfang, der dazu geführt hat, dass ich jetzt schon über ein Jahr lang nur noch rohe Lebensmittel zu mir nehme. Denn mit dem Zuckerverzicht war für mich der erste große Meilenstein gegangen. Ich hatte mir überhaupt nicht vorgenommen in Richtung Rohkost zu gehen, es war auch irgendwie gar nicht mein Ziel. Trotzdem bin ich heute dort angekommen.

Fast komisch, aber so musste es sein. Meine erste Rohkostzeit vor 7-8 Jahren, die begann mit einem: „Boa, so geht das nicht weiter, mir gehts so schlecht dauernd, ich muss was ändern“ Und das tat ich dann auch radikal. Also richtig radikal, von heute auf morgen gabs nix anderes mehr. Ich fühlte mich körperlich gut, aber ich hatte immer so einen kleinen Zwang in mir, immer so ein Muss und oft so ein bisschen nicht satt werden, egal, wieviel ich aß. Ich wollte, klar, aber es fiel mir manchmal richtig schwer, besonders dann, wenn andere um mich rum „normal“ aßen. Dann dachte ich bei mir:“ ich will auch, wenn die oder der das kann, dann kann ich auch, dann will ich auch.“ Eine Zeit lang ging das einigermaßen gut, dann kam die Qual vorbei und ich fühlte mich asketisch und manchmal auch einfach ein bisschen dumm, dass ich es weiterhin durchzog. Irgendwann brach ich das alles mit einer kleinen Ausnahme, die bekam eine zweite dazu und eine dritte war schon gar nicht mehr nötig, denn meine Ernährung bestand ruckzuck nur noch aus Ausnahmen.

Ich kann das einfach nicht. Ich kann nicht nur ein bisschen, ich kann nur ganz oder gar nicht.

Das geht mir übrigens bei allen Dingen so, nicht nur bei der Ernährung.

Wie kommt es aber jetzt vom zuckerfreien Leben zum Rohkostleben? Ganz ohne Plan, ganz ohne Zwang, es ist einfach passiert. Vegetarisch war ich ja irgendwie schon immer, bis auf die Zeit, in der ich unbedingt Paleo ausprobieren musste 😉 Es war für mich eher natürlich wieder vegetarisch zu essen. Ohne Fleisch, Wurst, Fisch geht bei mir ohne nachzudenken, da brauchte ich keine Umstellungszeit, kein mich zusammenreißen etc. Was mir dagegen aber sehr schwer fiel, war der Verzicht auf Getreide. Erst mal kein Weißmehl mehr, nur noch Vollkorn, dann auch das nicht mehr, kein Reis, keine Nudeln und so weiter. Tina kam irgendwann auf die Idee sie würde jetzt mal 30 Tage kein Getreide essen und ich sagte ganz spontan:“ da mach ich mit“. Und damit war der zweite große Schritt erledigt. Es fiel mir komischer Weise gar nicht so schwer, wie ich dachte. Ich vermisste es allerdings, mir eine Stulle mit Käse etc schmieren und einfach reinbeißen zu können. Da erinnerte ich mich daran, dass ich damals in der ersten rohen Zeit Leinsamenkräcker und ähnliches getrocknet hatte.

Essener Brot – was ist das?

Das führte zu einer kleinen Recherche „Essener Brot“ selbst zu machen. Falls du das auch mal machen möchtest hier findest du die perfekte Anleitung dafür. Dinkel oder Roggenkörner werden dafür gekeimt (sie sind dann kein Getreide mehr sondern eben Sprossen) zermalen und als kleine Fladen plattgedrückt und getrocknet. Unter 40° versteht sich! Eine ganze Weile bin ich damit sehr gut zurecht gekommen, doch irgendwann war mir auf einmal der Aufwand vieeeel zu groß und ich hatte auch das Gefühl, dass ich sie nicht mehr brauchen würde. Schon während der Zeit der Kräcker nämlich aß ich, wie ganz von alleine kaum noch Käse, kochte nichts mehr und war auf einmal, ohne das ich etwas dafür getan hätte und ohne es fast zu merken dabei mich nur noch roh zu ernähren. Sicher hat dazu auch unsere SoLaWi beigetragen, denn es fiel mir immer schwerer dieses super leckere regionale Biogemüse vom Feinsten einfach zu kochen, das ging irgendwie gar nicht mehr. Außerdem ist kurz klein scheiden oder reinbeißen so viel einfacher 😉

Wie genial das war, eines Tages zu bemerken, dass ich nun schon 5-6 Tage nur Rohes gegessen hatte. GEIL. Insgeheim hatte ich mir, als ich es damals nicht mehr geschafft hatte, immer gewünscht wieder roh zu essen, aber nie wirklich einen Versuch unternommen und nie so ganz daran geglaubt, dass ich es noch einmal schaffen könnte. Zu sehr hatte ich den Zwang und die leichte Quälerei in Erinnerung.

Und jetzt, war es einfach passiert. Wow, ich bin noch immer so fasziniert davon, denn dieses mal spüre ich überhaupt keinen Zwang, kein bisschen Quälerei und ich bin satt. Jetzt scheint tatsächlich die Zeit gekommen zu sein, die meine Zeit dafür ist.

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Was mache ich anders, als damals?

Ich trinke mehr Wasser ( nicht mehr destiliert, weil es sooo viel Strom kostet, sondern durch einen kleinen Umkehrosmosefilter gejagt und anschließend energetisiert), ich wähle mittlerweile nur noch Biolebensmittel aus, und ich halte mich an das Frühstücksfasten. Was ganz einfach bedeutet, dass ich bis 12 Uhr auf jeden Fall nichts esse, nur trinke, und oft auch erst sehr viel später, manchmal erst um 14 oder 15 Uhr Hunger bekomme. Ich beginne dann mit Obst: Äpfel, Birnen, Orangen, Bananen, was gerade so da ist und so gegen 17-18 Uhr mache ich mir einen riesigen Salat. Auch da kommt rein, was gerade reif ist, ob das nun frischer grüner Salat ist, oder Tomate, Paprika, Gurken, Zucchini, Weißkohl, Möhren, Rotkohl, Rote Bete, Grünkohl, Spinat, Lauchzwiebeln, Radischen, Rucola, Wildkräuter (Giersch, Vogelmiere, Bärlauch) ein bisschen Öl drüber, Salz dazu und fertig ist die Geschichte. Die sogenannte Gourmet Rohkost (möglichst viel der Speisen genauso aussehen und schmecken zu lassen, als wären sie gekocht) ist mir viel zu aufwändig, dazu hab ich keinen Nerv, wenn ich Hunger habe, will ich was essen und nicht noch ewig zubereiten.

Gerade fällt mir ein, was ich noch anders mache, als damals: Ich ziehe mir Sprossen in Gläsern auf der Fensterbank. verschiedene Linsen, Mungobohnen, Bockshornklee, Radieschen und so weiter. Jeden Abend setze ich ein neues Glas an, nach dem ich vorher die fertigen Sprossen in die große Salatschüssel geleert habe. So rotieren 4 Gläser und ich habe immer frische Sprossen. Sooo lecker sag ich dir.

Und was hat sich bei mir geändert?

Hm, als erstes purzelten meine berühmten 10 Kilo von mir, ohne dass ich es gewollt oder geplant hätte. Die verliere ich allerdings jedesmal bei einer Ernährungsumstellung. Meine Verdauung ist 1A, ich bin leichter und einfacher unterwegs. Ich bin sehr viel fitter. Ich radel mal eben 40- 50 Kilometer in ziemlich vollem Tempo und bin nicht wirklich erschöpft. Ich mache einen Umzug, auch mal eben so und bemerke es gar nicht richtig. 🙂

Ich fühle mich natürlicher, ich fühle mich klarer, konzentrierter, offener. Ich gehe weniger ängstlich durch die Welt, ich habe sehr viel mehr Vertrauen ins Leben (davon hatte ich immer schon viel) in die Menschen, ins Gute, in mich. Ich bin entspannter, geduldiger und lockerer geworden und fühle mich einfach nur gut 🙂

Wer oder was mich inspiriert hat?

Ich habe ganz viel gelesen:

   

   

Ganz oft hab ich Tobias Steinhäuser von Rawletics, mittlerweile IUM und ab und an Silke Leopold bei youtube gelauscht. Mittlerweile lausche ich mehr mir selbst 😉 Ich halte meine Ernährung so einfach wie möglich, für große Gorumetrohkost habe ich wie gesagt gar keine Lust. Naja, letzte Woche in Berlin konnte ich nicht an den vielen Rohkostrestaurants vorbeigehen und hab dort natürlich Gourmetrohkost gegessen und himmlisch genossen. Aber das ist eine Ausnahme, schon deshalb weil es in Lübeck keins gibt. Das Cafè Marae hat leckerste Rohkostkuchen und im Sommer leckere Salate. Doch auch hier ist es die Ausnahme wenn ich mich dort verwöhnen lasse.

Und diese Bücher hier hatte ich schon vor und während meiner letzten Rohkostzeit gelesen:

   

Und sicher noch einige mehr, die mir aber gerade nicht einfallen wollen 🙂 „Die Sonnendiät“ übrigens war das erste, was mich auch dazu bewogen hat die Rohkosternährung zu starten.

Was mir noch schwer fällt?

Ja, es gibt noch Etwas von dem ich noch nicht lassen kann. Das ist einmal das Salz im Salat, die Rosinen am Abend und die Mandeln dazu. Da aber die Mandeln das einzige meiner Lebensmittel sind, die nicht basisch sind, mache ich mir da nicht so viele Gedanken drüber. Die Rosinen sind schon die Ablöse für die absolut leckeren Datteln und wohl ein letzter Rest meiner Zuckersucht. Ich verbeiß mich aber in keine komischen Zwänge darüber, weil ich weiß, dass sich auch das irgendwann ganz von alleine lösen wird.

Kurz und gut: Ich fühl mich pudelwohl und habe Null Gelüste auf irgendwas unrohes. Auch wenn ich viele Gerüche von gekochtem immer noch gerne rieche, Ich habe komischerweise Erinnerungen an Gerüche, die megalecker waren aber lange nicht so geschmeckt haben. Auf die Gerüche hab ich Lust, auf den Geschmack nicht. Passt also bestens.

Und trotzdem bin ich noch lange lange nicht am Ende angelangt. Es gibt noch immer so viel „Müll“ und „Ablagerungen“ in meinem Körper, dass es wohl noch eine ganze Weile dauern wird, bis ich sagen kann, dass ich innerlich sauber bin 😉 50 Jahre sind halt nicht einfach mal in einem Jahr auszugleichen 🙂

 

In diesem Sinne

Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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6 Responses

  1. Eva

    Liebe Bo,
    wieder ein Post von Dir, das mich ja sooo anspricht. Schön zu lesen, dass es auch anderen so geht. Vom Ausprobieren, den Erfahrungen, den Büchern die mir so vertraut sind. Die Ausnahmen, die sich häuften und mich abdriften ließen. Dann das Besinnen und Wiederumsteigen. Die vielen Aha´s, die körperliche und seelische Gesundheit betreffend. Jede Lebensphase ging auch mit einer neuen Ernährungsweise einher, brachte neue oder alte Erkenntnisse zum Vorschein. „Hängengeblieben“ bin ich bei einem Mix aus getreidefrei, industriezuckerfrei, fleischfrei, wenig KH, viel hochwertiges Fett (Avocado, Kokos….), viel-vegan, wenig-vegetarisch, viel roh, wenig gegart, ab und an mal etwas Wildfisch auf dem Salat. So fühle ich mich geistig und körperlich am wohlsten und bin auf Reisen und in Gesellschaft flexibel und stressfrei.
    Das von Dir beschriebene Frühstücksfasten ist ein toller Einstieg in den Tag. Es ist auch mir zur Routine geworden: erst einen halben Liter Wasser (aus der Destille ;-), dann einen halben Liter Grünen Tee und erst am späten Vormittag eine leichte Obstmahlzeit. Den großen Salat mit allem drum und dran gibts dann am frühen Abend. Du siehst also, Du bist mit Deinem Rythmus nicht allein 🙂
    Alles Liebe und einen sonnigen Tag für Dich
    Eva
    Eva kürzlich veröffentlicht…Barfuß Wattwandern inklusive BergblickMy Profile

    • Bo Pohl

      Hallo liebe Eva,
      hab ichs doch gewusst, also dass du dich ähnlich ernährst. 🙂 Wir hatten es glaube ich schon mal vor einiger langer Zeit kurz darüber in einem Kommentar. Hatte ich es also richtig in Erinnerung.
      Ja, das wichtigste finde ich ja, dass es einem in allen Bereichen gut geht, das ganze „Gesunde“ bringt nichts, wenn man es sich reinzwingt.
      Ganz liebe Grüße in den Süden
      von Bo

  2. Marie

    Kling toll ! Ich bin leider nur Vegetarier und esse glutenfrei (wg. Unverträglichkeit) und (weitgehend, also die meiste Zeit) zuckerfrei, vegan oder roh, da bin ich noch nicht so weit (ich liiiiebe leider Käse).

    • Bo Pohl

      Hallo liebe Marie,
      das ist doch alles kein Grund für ein „Leider“. So lange du dich gut fühlst ist doch alles gut. Und weißt du was? In Berlin hab ich ja in einem Rohkostrestaurant eine Pizza gegessen und da war Käse drauf. Also irgendwie haben die aus Nüssen, Gewürzen und was auch immer etwas hergestellt, was wie Käse aussah, dessen Konsistenz hatte und…. mir noch so viel besser geschmeckt hat, als es Käse jemals getan hat.
      Käse war auch meins, was ich bis zum Schluss gegessen hatte; heute denke ich, es war eher eine Gewohnheit.
      Alles ist gut
      Liebe Grüße von Bo

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