Wir haben ausgemistet

Eingetragen bei: Barfußlaufen, Sohlenbrenner Tour 2016 | 12

Ein Pausetag regt zum Nachdenken an, Was könnten wir anders machen, was könnten wir weglassen. Mit was müssen wir uns nicht mehr abschleppen?

Nach dem Tina zwei Nächte drüber geschlafen hat, trennte sie sich schweren Herzens von ihrer Kamera. Für mal eben ein Foto, für mal eben ein Stückchen Film würde sie sie sowieso nicht auspacken, alles anstöpseln. Das dauert viel zu lange und am Ende ist die Situation, die sie filmen wollte eh weg.

Also hat sie sich ausgiebig mit Daten und Können des Handys beschäftigt, zeigte sich zufrieden und die Entscheidung war gefallen.

Wie der Zufall so will, haben Inken und Rolf ihre Urlaubstage in Einödsbach gestern morgen beendet und kamen am Campingplatz in Sonthofen vorbei, um unsere Ausmisttüte abzuholen.

Zum Opfer fielen alle Hosen, die langen Baumwollhosen, die kurzen Baumwollhosen…. keine Angst wir gehen nun nicht in Unterhosen weiter :-),

Wir entdeckten nämlich gleich um die Ecke einen Outdoor Outlet. Montag morgen statteten wir uns also mit je einer Zipphose aus. Leicht, schnell trocknend und halt Polyesterkrams, was ich im normalen Leben nicht tragen würde. Der Gewichtsfaktor ist aber riesig, der Trocknungsfaktor auch. Ich weiß, ich schreib das grade doppelt. Ist aber auch doppelt erwähnenswert, weils grade so wichtig für uns ist.

Alles in allem sind bestimmt 4-5 Kilogramm ins Auto gewandert und wandern jetzt nicht mehr mit uns mit. Vom Tarp haben wir uns auch verabschiedet, vom schweren Wave (Leatherman), und von ein paar kleinen Annehmlichkeiten, von den Wanderstöcken, die ich mit der Karre eh nicht nutzen kann.

Für uns taucht grade die Frage auf: wo hört Minimamalismus auf und wo beginnt bekloppt sein?

Denn alles, was wir jetzt weiter ausmisten, das nimmt uns zwar ein wenig mehr Komfort weg, macht uns das Leben in Bewegung aber ein ganzes Stück leichter, so um die 5 Kilogramm.

Zu Hause hätte ich nie gedacht, dass es etwas geben würde, auf das wir noch verzichten würden. Unterwegs fällt es dann auf einmal ganz leicht.

Es geht sich so prima, wenn alles leichter ist. Gelohnt hat es sich, einen Vormittag für ausmisten und Hosenkauf zu nutzen und erst später los zu kommen.

Begonnen hat der Weg schön an der Iller entlang auf….na… logisch… auf Schotterwegen. Ich finde es zwar noch immer doof, aber ich weiß, dass es geht, langsam zwar, aber es geht, und zwar immer besser.

Nach der Hälfte der Tagesetappe dann, hörte der Schotter auf, weiche teilweise matschige Wege wurden wir entlanggeführt.

Eine Wohltat, an einem genialen klaren See vorbei, übrigens alles bei sonnigstem Sonnenschein. Wow, sowas gibts hier auch 🙂 Am See dann hielt uns nix mehr, Pause machen, Füße ins kühle Nass packen und die Seele ein wenig baumeln lassen.

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Wir wussten, dass wir gestern keinen Campingplatz erreichen würden, sahen durch die Höhenmeter aber auch kaum eine Möglichkeit unser Zelt irgendwo aufzubauen, also entschlossen wir uns kurzfristig in Rettenberg eine Pension zu finden. Hätte ich mir tatsächlich leichter vorgestellt. Für eine Nacht? Nee, das machen wir nicht. Mit Hund? Nee das dürfen wir nicht. Am Ende fanden wir in einer kleinen Seitenstraße eine sehr nette Unterkunft von einem alten Ehepaar geführt. Sooo süß. Heute morgen hat er uns das Frühstück gemacht und uns ein bisschen unterhalten. Schon gestern dachten wir, na der kommt ja wohl nicht von hier. Heute morgen erzählte er uns, dass er 1960 das erste mal hier war und eigentlich aus dem Ruhrpott kommt. Hab ich doch gleich gewusst 🙂 Meine Eltern sind ja auch von dort und jetzt bestimmt sehr glücklich, wenn sie lesen, dass wir nicht wild gezeltet haben, sondern in einer Pension genächtigt haben. Alles gut 🙂

Heute ziehen wir weiter gen Norden und sind gespannt, was uns erwartet. Sonne? Regen? Auf jeden Fall haben wir beim Frühstück ein paar gute Wegetipps bekommen. Den vorgegebenen einmal fett den Berg rauf und ein paar Kilometer wieder runter werden wir uns sparen. Bleiben wir doch einfach unten. 🙂

bo unterschrift


 

Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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12 Responses

  1. tobias

    Der flugplatz und der stausee, so habe ich mir das vorgestellt nach der planung aus dem computer.

    Ich denke jetzt gerade an Michael Holzach („Deutschland umsonst“), der anno 1980 sechs monate lang ohne geld (mit hund) in Deutschland unterwegs war und bei bauern in der scheune schlief …. (leider ist er 1983 beim versuch, seinen hund zu retten, in der Emscher ertrunken.)
    Komplett auf geld zu verzichten, wäre der wahre minimalismus. Würde ich aber ehrlich nicht schaffen.
    Was der wirklich wahre minimalismus ist, muss wohl jede und jeder für sich selbst herausfinden. Auf schuhe kann ich verzichten, auf funktionskleidung gerade bei strömendem regen weniger.

    Ist wohl nicht so einfach mit dem wildzelten, wenn es weit und breit nur landwirtschaftliche flächen und nicht wirklich „wildnis“ gibt. Andererseits hat vielleicht nicht jedes dorf eine unterkunft (pension, gasthof, hotel) – ungut, wenn es dann noch probleme mit dem hund gibt.

    Mein zelt ist zum trocknen in der wohnung aufgebaut, da es auch hier immer wieder einzelne regenschauer gibt. Dürfte inzwischen aber soweit sein, dass ich es zusammenrollen und bis zum nächsten campingtrip verstauen kann.

    Frohes weiterspazieren, das wetter nimmt sich doch ganz angenehm aus inzwischen!

    • Bo

      Hallo Tobias,
      langsam ist es dann doch kein spazieren mehr. Heute sind wir gut voran gekommen. Hocken grade mitten im Wald im Zelt…total cool
      Liebe Grüße
      Bo

  2. Beryl

    Hallo Ihr Drei,
    es macht Spaß Euch im Blog zuverfolgen….sind ja auch geniale Fotos dabei….Landebahn mit Ampel lol …..wünsche Euch gutes Wetter und angenehme Wegbelege weiterhin.
    Liebe Grüße aus der Heimat.

    • Bo

      Hallo Beryl,
      so soll das sein 🙂 Freut mich, dass dir unser Gebildere und unser Geschreibsel gefällt.

      Liebe Grüße in die Heimat 🙂
      Tina und Bo

  3. Juliette Gerischer

    Hallo ihr zwei tapferen Heldinnen,

    ich lese jeden Tag eure Einträge hier und kann es kaum erwarten nach hause zu kommen um meinen PC anzuschalten.
    Toll, toll, toll für soviel Mut,Durchgenalltheit und Lebensfreude!!!

    Ich melde mich mal wieder…
    …bis dahin

    Liebe Grüße aus Lübeck
    Juliette

    • Bo

      Hallo Juliette,
      🙂 die Durchgeknalltheit, die kommt mir auch oft in den Sinn 🙂
      Hocken grade mitten im Nirgendwo im Wald im Zelt und sind mega zufrieden mit unseren 16 km heute.

      Liebe Grüße
      Tina und Bo

  4. [asc]

    Ja, Zipphosen sind toll. Ich zippe die Beine bei meinen nur selten ab weil ich irgendwie die (total paranoide) Vorstellung habe dass ich eine Beinröhre verlege und mich dann ärgere.

    Seid ihr jetzt mehr auf Straßen unterwegs seit der Schotterwegattacke?

    Ich wünsche euch weiterhin alles Gute und viel Freude!

    Wie macht sich denn die Wanderkarre?

    • Bo

      Festhalten ist da die Devise….ja gestern war tatsächlich mehr als die Hälfte einfach nur Asphalt…. wunderbar bis nicht so toll, aber wir sind mega gut weiter gekommen, trotz des Gewitters
      Liebe Grüße
      Bo

  5. scratch

    ha, jetzt hab ich begriffen- wußte nicht das mit dem Blog und hab mir auch schon Sorgen gemacht. Ich glaube ihr erlebt gerade den ersten Praxisschock, wa ? Jetzt ist das TUN dran und das braucht einfach auch seine Zeit um in der Realität anzukommen…
    Setzt euch nicht so unter Druck, ruht aus wenns der Körper und die Seele brauchen.
    Ich bewunder jetzt schon jeden Kilometer,den ihr 3 erobert !!!!!!!!!!!!!!!!
    Ich denke viel an Euch und freu mich schon auf jede Nachricht von Euch.

    Drück, schmatz und grunz

    • Bo

      Hallo Scratch,
      auch wir hatten uns schon Sorgen gemacht. Aber ich hatte recht, du hast einfach auf einen Newsletter gewartet… und den gibts im Moment aus Zeitgründen einfach nicht.
      Wir lassen es uns heute gut gehen und lümmeln einfach mal nur so rum … Füße erholen.

      Liebe Grüße nach Lübeck
      Tina und Nima und Bo

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