Warum Wolle für Minimalisten so genial ist

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2015_03_14_bo klamotten_0452Ich bin ja grundsätzlich ein Ausmist- und Reduzierfan und ebenso grundsätzlich mag ich nur Klamotten aus natürlichen Materialen wie Baumwolle, Schurwolle, Merinowolle. Ich kaufe also keinen Hoody mit 80% Baumwolle und 20% Polyirgendwas, auch wenn der vielleicht seine Farbe und Form länger hält.

Kurz vorm Winter hab ich sogar eine Zimmermannscordhose gefunden, die wird aus 100% Biobaumwolle hergestellt. Wie lange ich die gesucht hab, kann ich dir gar nicht sagen. Ewig 🙂 Sonst sind die Cordhosen aus 85 % Baumwolle und 15 % Polyamid. Und das wollte ich überhaupt nicht. Orgnatur hat mich erhört und sogar mit der Biobaumwolle noch eins draufgelegt. Danke! Die Hose trägt sich superangenehm, ist nur ein ganz klein wenig in der Länge eingegangen, und wenn ich nicht arbeite und meine FHB`s trage, dann ist es im Winter diese hier. Sie trocknet nach der Wäsche sogar schneller als die Arbeitshosen aus Doppel Pilot (100% superstabiler Baumwollstoff), sodass ich mit der einen Hose gut über den Winter komme.

Aber ich wollte dir von Wolle (Schafswolle) erzählen und warum sie so genial ist.

Als erstes ist Wolle warm, wobei das nicht wirklich stimmt, Wolle besteht zu 85% ihres Gesamtvolumens aus Luft und eignet sich daher besonders zur Wärmeisolation, also zum Wärme speichern. Aber auch im Sommer hat Wolle eine tolle temperaturausgleichende Wirkung. Außerdem kann sie 33% ihres Trockengewichtes an Feuchtigkeit aufnehmen ohne nass zu wirken. An der Oberfläche stößt sie Wasser erst mal ab, je nach dem wie viel Lanolin noch in der Wollfaser ist, mehr oder weniger Wasser. Baumwolle wird beim Schwitzen einfach nass und klebt dann am Körper, Shirts aus Merinowolle z.B. leiten die Feuchtigkeit viel mehr vom Körper weg, was das Tragen sehr angenehm macht. Genial finde ich die Selbstreinigung der Wolle, die Fasern nehmen schwer Schmutz an, Schweiß und andere Gerüche werden wieder an die Luft abgegeben. Und wenns mal richtig schlimm war, sind Rauch- oder Schweißgeruch nach kurzem Lüften völlig verschwunden. Immer wieder ein kleines Wunder. Für mich ist die Wolle auch deshalb so genial, weil sie sich nicht statisch aufladen kann. Ich mag es überhaupt gar nicht, wenn ich aus dem Auto steige, die Tür zumachen möchte und erst mal total eine gewischt kriege, oder wenn ich meine Klamotten ausziehe und aussehe wie in die Steckdose gefasst.

Es gibt sogar schon Dämmplatten aus Wolle zum Isolieren von Häusern. Und da Wolle sehr schwer entflammbar ist, hat sie sogar den Brandtest länger als die vorgeschriebenen 90 min überstanden.

Und geil, was ich grade noch gefunden habe: Bei Halsschmerzen kann man sich, Achtung: den stinkenden, mit ungewaschenen Füßen getragenen Socken um den Hals wickeln. Nach einigen Tagen mit Wollsocke im Schuh bilden sich Antibiotika. Wow. Wollsocken haben sowieso den Vorteil, dass die Füße länger warm bleiben. Aber testen möchte ich es dann doch nicht… Stinkesocken um den Hals wickeln. 😉

Und was hat das mit Minimalisten zu tun?

Jo, all diese Eigenschaften lassen zu, dass man Wollkleidung lange tragen kann, ohne sie waschen zu müssen, lüften reicht über einen sehr langen Zeitraum. Die Umwelt freut sich. Und wenn man dann doch mal das Gefühl hat es wäre Zeit, dann kann ich die Merinoshirts abends kurz mit kaltem Wasser (mehr ist gar nicht nötig) auswaschen, auswringen auf die Leine hängen und es am nächsten Morgen wieder anziehen. Ich brauche also kein anderes.

Über den ganzen Winter hab ich das so gemacht.

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Ich trage in der ersten Schicht ein Icebreaker Tanktop als Unterhemd, und die Hose dazu. Oh mann, jetzt oute ich sogar meine Unterwäsche, bin ich verrückt? Ich mach mal lieber schnell weiter. 🙂 Darüber trage ich ein langärmliges Shirt. 2015_03_14_bo klamotten_0477Und dann meinen selbstgestrickten dünnen Pulli aus Biomerinowolle in anthrazit. (Aus der Wolle sind sämtliche Mützen und Dreadschläuche von bowoods)2015_03_14_bo klamotten_0469 Wenns rausgeht und ich in Bewegung bin, kommt bis ca. 3 Grad Außentemperatur nur noch meine geile neue Jacke aus Loden drüber. Die ist zwar dünn (dafür kann ich sie das ganze Jahr über als Wind- oder Regenjacke nutzen), aber weitesgehend winddicht. Die Firma Raffstaff oder auch Roughstuff hat mir meinen langjährigen Wunsch nach einer Jacke, die fast winddicht, fast wasserdicht und trotzdem aus 100% Naturmaterialien ist, erfüllt. Du kannst dir nicht vorstellen, wie ich rumgehüpft bin, als ich die Firma entdeckt habe. Die Jacken und Westen sind aus Loden, also aus Schurwolle, die erst gewebt und dann gewalkt wird. Dadurch entsteht ein hochfester Stoff, der zu 100% aus einem nachwachsendem Naturmaterial besteht, stark wind -und wasserabweisend und dabei sehr atmungsaktiv ist, geruchsabweisend ist, temperaturausgleichend wirkt, unempfindlich gegen Verschmutzung und pflegeleicht ist, sehr robust und langlebig ist, unanfällig gegen Funkenflug ist, sehr pflegeleicht ist und den es schon seit über 1000 Jahren gibt. Die Krönung: Die sehen auch noch wirklich gut aus. Also hab ich sie mir bestellt. Meine Traumjacke 2015_03_14_bo klamotten_0459namens Deubelskerl. Verrückte haben auf youtube Filmchen darüber gedreht, wie sie bei vier Grad und nacktem Oberkörper die Jacke mal eben komplett in ein Gewässer tunken, sie kurz auswringen und wieder anziehen. Sie wollten beweisen, dass Wolle auch wärmt, wenn sie nass ist. Nach einem ersten Kälteschrei hält die Wolle ein paar Minuten später schon wieder warm. Ich liebe Wolle. Übrigens auch bei der Jacke reicht es, alle Jubelzeiten mal, sie mit warmem Wasser in der Wanne oder Dusche zu spülen.

Wenns dann an die Null Grad geht, oder ich nicht so viel in Bewegung bin, ziehe ich zwischen Strickpulli und Deubelskerl noch eine Weste. Auch so ein schönes Teil. Von Ortovox, 2015_03_14_bo klamotten_0465mit einer Füllung aus Wolle. Leider mittlerweile mit einem Außenstoff aus Nylon, mein Außenstoff besteht noch aus Maisstärke. Meine Weste ist allerdings auch schon ein bisschen länger bei mir, hat dafür noch einen schwarzen Reißverschluss und auch der Innenfleece am Kragen ist schwarz. Was ein Glück. Außer, dass sie beim Tragen ein wenig raschelt mag ich sie sehr gerne. Sie isoliert phantastisch. Logischerweise trage ich selbstgestrickte Wollsocken und die oben beschriebene Zimmermannshose.

Mehr hab ich den ganzen Winter nicht gebraucht. (Meine Arbeitsklamotten ausgenommen, aber die machen den Schrank auch nicht sehr viel voller). Gut ich gebe zu, ich habe noch ein älteres langärmliges Shirt von Icebreaker in grau mit rot (aber das gefällt mir nicht mehr so sehr und deshalb hab ich es eher selten getragen). Fürs wärmer werdende Wetter gabs neulich ein Schnäppchen ähnlich wie das hier, denn das jetzt meinige gibt´s nicht mehr. Alles andere im Schrank hab ich nicht gebraucht, also wird das beim nächsten Kleidertauschrausch einfach verschenkt. Das einzige was nächsten Winter anders wird, ist ein zweiter Pullover, den ich gerade zweifarbig im Patentmuster stricke, weil der dann ein bisschen dicker ist, als der jetzige. Den werde ich bestimmt brauchen, will ich doch so lange es irgend geht barfuss laufen. Und eine lange Unterhose. Diese hier soll es dann sein.

Bin gespannt, was ich im Sommer an Klamotten brauchen werde. Meine Lieblings-T-Shirts geb ich nich so einfach her 🙂 Es sind aber eh nicht viele.

Ob mir meine Klamotten langweilig wurden? Nein gar nicht, sie sind alle in einfachem Schwarz, passt irgendwie immer, ich finde sie cool und ich mag sie. Bei irgendwelchen Farbkombinationen ist es oft so, dass ich eine der Farben schnell nicht mehr mag und dann das ganze Teil nicht mehr anziehe.

Die ganzen Merinoshirts tragen sich sehr angenehm weich, man kommt nicht auf die Idee, dass es Wolle sein könnte. Die Shirts gibts in verschiedenen Stärken, Farben und Formen, für Männer und Frauen und sogar auch schon für Kinder. Ok, sie haben ihren Preis, den ich zwar hoch finde, aber gerne zahle für wirkliche Qualität. Schließlich brauche ich jahrelang nichts neues.

Bei jedem Icebreakerteil findest du eine Nummer, mit der du raus finden kannst, von welcher Farm die Wolle zu deiner Klamotte gekommen ist. Finde ich nett 🙂

Bist du auch minimalistisch angehaucht? Wie machst du das mit deinen Klamotten?

bo unterschrift

Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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9 Responses

  1. Micha

    Hi Bo,

    ich habe erst vor kurzem festgestellt das ich eigentlich minimalistisch lebe (ist mir nie aufgefallen).Darauf gekommen bin ich
    durch die Vivi Kunterbunt sie macht tolle Videos auf YouTube unter anderem über
    Minimalismus.
    Jetzt zu mir: Klamotten das übliche Jeans, T-Shirts, Kapuzenpullis, 2 Jacken und man glaubt es kaum einen schwarzen Anzug ein weißes Hemd und eine Krawatte.Habe mir auch schon ewig
    nichts neues mehr gekauft.Da ich ja immer barfuß gehe wie Du ja weißt habe ich auch nur drei Paar Schuhe Schwarze
    Halbschuhe aus Leder für den Anzug, ein
    Paar Chucks und für den Winter wenn es barfuß nicht mehr geht (Schnee und Frost)ein Paar Dog Martens.Unterhaltungselektronik ein Fernseher ein Radio ca. 30 Jahre alt.Zwei
    Dinge die nicht minnimalistich sind meine Bücher ca.1500 davon sind gut zwei Drittel Erbstücke meiner Eltern.Natürlich habe ich nicht alle gelesen aber davon ķönnte ich mich auch niemals trennen.
    Da ich Pfeifenraucher bin besitze ich auch 28 Pfeifen.Ich werde mich auf jedenfall weiter mit Minimalismus beschäftigen.

    Liebe Grüße Micha

    • Bo

      oh wow, 1500 Bücher… ich miste auch die Bücher aus, wenn ein Thema rum ist, kommen die Bücher dazu auch weg. Nur ganz wenige, die ich auch mehr als einmal lese oder gelesen habe, die dürfen bleiben.
      Gruß Bo
      Und Schuhe natürlich sowieso 🙂

  2. uncipaws

    Wie ich sehe, hast du bei hunden und kleidung den gleichen geschmack … (und barfuß passt vortrefflich dazu)

  3. uncipaws

    ich bin eher ein katzentyp und … habe auch ein paar sehr gemütliche wollsachen!

  4. tekke

    Also, mein Mérenspferdchen würde auch passen. Die gibt es nur in Schwarz. Als meinen wichtigsten Besitz würde ich sie nicht bezeichnen, wir haben einfach zusammengefunden.
    Sonst, ich lebe in einem Wohnwagen und da kann man nicht gross Besitz anhäufen. Also habe ich eigentlich auch nur gescheites Zeugs was dauerhaft und vielseitig ist, eben auch Klaotten vorzugsweise aus Wolle oder Leinen.
    Vieles davon ist aus alten Beständen der Schweizer Armee, zum Beispiel der ‚Kaputt‘, ein Lodenmantel, halt in grün,
    oder die ‚Wullesau‘ (Wollschwein), der gute alte Wollpullover. Schuhe trage ich meistens nur in Gesellschaft oder zu bestimmten Zwecken wie beispielsweise bei Hochgebirgs- und Skitouren wo man eben Steigeisen oder Skier dranmachen muss und auf der Arbeit wo Sicherheitsschuhe Pflicht sind.

    • Bo Pohl

      Hallo Tekke,
      sorry, dass ich jetzt erst reagiere. Dein Kommentar war, warum auch immer im Spam gelandet. Hab ihn aber doch gefunden… unter 431 wirklichen Spamnachrichten.
      Also danke für deine Worte. Im Wohnwagen leben finde ich sehr spannend. Mein Ziel ist ein Zirkuswagen, dafür „häufe“ ich schon jetzt wenig an und entrümpel und minimiere wo ich kann.
      Alles Gute für dich
      Bo

  5. Harry Mirau

    Hallo Bo
    Ich bin dabei auf Natur Materialien umzusteigen.
    Hauptsächlich auf Wolle.
    Kannst du mir sagen wo ich gute Wollsocken herbekomme? Vielleicht auch gute Schurwollpullover. Oder gibt es Angebote sie stricken zu lassen? Ich wäre dir über eine Tipp sehr dankbar

    Liebe Grüße
    Harry

    • Bo Pohl

      Hallo Harry,
      naja, einmal geht ja immer selber stricken 😉 hihi 🙂 oder auf meiner Seite bowoods.de. Ansonsten ist das Netz ja voll von den verschiedensten Möglichkeiten 🙂 Wenn du Bio Schurwolle eingibst solltest du recht bald beim Finkhof landen 🙂

      Liebe Grüße von Bo

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