Lagerfeuerromantik bis zum Verrenken – unser Zelt in Ausrüstung im Einsatz

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So romantisch, wie man es sich vorstellt. Im Sonnenuntergang vorm Zelt sitzen und den Abend vielleicht bei einem kleinen Lagerfeuer gemütlich ausklingen lassen. Den Regen, der natürlich nur nachts fällt, leise auf das Zeltdach prasseln hören. Piepende Vögelchen im Hintergrund beim morgendlichen Aufwachen.

So ähnlich fand das auf unserer Tour auch statt. Die Betonung liegt auf so ähnlich. Denn spätestens nach dem 62sten Mal Zelt aufbauen und davor kein Lagerfeuer entzünden zu können, hatte ich die Schnauze ein wenig voll davon.

Abends lieber schnell rein ins Zelt, damit nicht alle Mücken uns auffressen. Schotten dicht machen, damit sie draußen bleiben. Morgens aufpassen, damit man „nur“ durch die nächtlich gezogenen Schneckenspuren krabbelte, nicht aber auf die Schnecken, die diese mühsam gezogen haben. Man fand sie im Hänger, in den Schuhen, über die Socken krochen sie besonders gern, den Futtersack ließen sie auch nicht unbeachtet. Deshalb durfte der oft mit ins Zelt, zwischen uns war ja noch sooooo viel Platz. Wenn sie ja nur kriechen würden, die guten, aber nein, sie kacken auch noch zwischendurch. Getrocknet konnte man die Hinterlassenschaften gut von der Zelthaut schnicken. Ansonsten kleben sie an den Fingern. Socken blieben bis dato lieber draußen, da besagte Schnecken diese aber nicht in Ruhe ließen und ihre Spuren zu Hautirritationen führten, durften nun auch die Socken ins Zelt. Da war Schnappatmung einfach vorprogrammiert. Luft anhalten und rein. Irgendwann atmet man schon weiter.

Regen prasselte vorzugsweise in den Morgenstunden, damit man das Vogelgezwitscher nicht hören musste. Und natürlich, damit man einiges Wasser vom Regen nett auf dem Zelt verteilt für den Tag mitnehmen kann. Zusammengerollt und ordentlich gepresst in den Zeltsack gestopft. Etwas schwerer als gewollt, so kochte es dann in der Hitze des Tages vor sich hin. Viecher inklusive. Suppe ergab das aber dann doch keine.

Das Leben im Space L 3P von Vaude

An trockenen Abenden ein nasses Zelt aufbauen war etwas eklig, aber gut zu ertragen. Einfach alle Eingänge öffnen und ein wenig warten. Wenn man denn noch die Geduld hatte. Ansonsten einfach mit dem Schwamm ein wenig nachhelfen. Wenn die Wartegeduld am Ende war, die Isomatten aufpumpen, auch wenn noch nicht alles trocken war. Viecher waren dann logischer Weise sehr schnell wieder drin. Sie lieben Zelte.

An nassen Abenden ein nasses Zelt aufbauen war das wirklich unangenehmste, was bei der Tour passieren konnte. Denn stell dir vor, das Zelt war ja durchs nasse zusammenrollen am Morgen komplett bis in alle kleinen Ecken durchgeweicht.. Und dazu kam noch mehr davon von oben dazu. Das Zelt stand genauso schnell wie sonst auch. Aber, aufmachen zum Trocknen war nich, warten ja auch nich. Also notdürftig wenigstens den Schwamm über den Innenzeltboden huschen lassen, der aber auch nur ein wenig der ganzen Nässe aufnahm.

Ja und dann? Dann einfach alles wie gewohnt auspacken, aufpumpen, und mutig reinlegen. Das kostete ein bisschen Überwindung, war aber irgendwann auch egal. Dann lag ich halt im nassen, versuchte die Zeltwand nicht zu berühren, was wirklich schwer war, weil ich praktisch einseitig an ihr klebte. Meine Körperwärme trocknete alles um mich rum ein wenig, so dass es nur noch klamm war, nicht mehr ganz so schlimm also. Der Zeltboden war weiterhin einfach nur nass, die Zeltwände ebenso.

Wie gut, dass ich meistens so erschöpft war, dass mir das alles völlig egal war und ich einfach einschlief. Übrigens, so ein nasser Hund neben einem einigermaßen trockenen Schlafsack ergab ganz schnell einen nassen Schlafsack und einen doch recht trockenen Hund.

Ach ja, ich vergaß den Duft eines nassen, den Tag über gekochten Zeltes zu erwähnen. Lecker halt.

Ach und die Geschichten mit dem frühen Aufwachen, weil die Blase drückt. Ist ja schon zu Hause immer ein kleines rauszögern, weils grad so warm, gemütlich etc ist. Im Zelt kommt noch dazu, dass es draußen eventuell noch dunkel, oft nass ist und der Weg, zumindest auf dem Campingplatz, oft sehr weit ist. Also zögerte ich das so lange es irgendwie ging in die Länge, was in wachem Zustand gedacht natürlich absoluter Quatsch ist, denn mit voller Blase schläft sichs einfach nicht mehr gut ein.

Ok, romantisch ist das nicht. Ist es denn wenigstens abenteuerlich?

Da könnte man schon eher von reden. Aber nur dann, wenn wir das Zelt irgendwo in der Pampa aufgestellt hatten. Die Pampa wurde übrigens immer mehr einfach nur ein einigermaßen gerades Plätzchen irgendwo in der unmittelbaren Nähe unseres Weges. Umwege wurden dafür keine mehr gemacht. Schon lange nicht mehr. Ich pack mir ja, sobald ich schlafen will, meine Spezial-Ohrstöpsel in die Gehörgänge. Was ein tolles Glück, dass ich die habe. Danke kleiner Bruder für diesen Megatipp. Ich könnte nicht einschlafen, wenns überall doch ein bisschen anders knackt, raschelt, knistert. So war ich gut abgeschottet und bekam nicht viel mit. Tina hörte das alles und schlief trotzdem super ein. Und Nima, die störte mittlerweile fast nichts mehr, was am Zelt vorbeiging, huschte, schlich. Sie hatte nur einmal richtig was zu tun, als wir von einem sehr unsympatischen Menschen mit einem Schlag an die Zeltwand, als wir schon kurz vorm einschlafen waren, und den Worten:“ was soll das denn hier geben“, verscheucht wurden. Ein Jäger, mit Knarre, der keinen Bock hatte auf uns Rücksicht zu nehmen, oder so ähnlich.

Stand das Zelt aber auf einem Campingplatz, zwischen Jugendgruppen oder Familien, die zum Heidepark wollten, zwischen Horden von Fußball spielenden Kindern, Badminton spielenden Erwachsenen, dann kam ich mir irgendwie fehl am Platz vor und fand es einfach nur unattraktiv. Der Strom und die Dusche zog uns auf die Campingplätze, sonst ja auch nichts.

Die Krönung des romantischen Zeltens fand ja dann gegen Ende auch noch statt. Beim Aufbau knackte es kurz und die Form des entstehenden Zeltes sah auf einmal sehr anders aus. Eine der beiden langen Zeltstangen, also ein Segment davon, war einfach ausgeknackt, gebrochen. Nach einem kurzen „ach du Scheiße“ entsann ich mich, dass es ja eine Reparaturhülse im Heringssäckel gab. Einfach über die kaputte Stelle gestülpt, mit Pflaster vorm verrutschen gehindert und Zelt weiter auf gebaut.

Schön, aber zwei Tage später beim Abbauen knackte es erneut. Diesmal war die zweite der langen Stangen dran. Aber…. Es gab nur eine Reparaturhülse. Erst mal alles zusammengepackt wie gehabt, denn aufregen ist schon lange nicht mehr. Hilft ja nix und ist nur Energieverschwendung.

Am Abend wurde die Stange mit Leukoplast und den beiden übrigen Heringen als Stabilisator umwickelt und das Zelt hielt. Die Idee, die Stangensegmente von den kurzen oberen Stangen, die nicht so viel Druck aushalten müssen wie die langen, auszutauschen, misslang leider, weil sie nicht miteinander kompatibel sind. Aber die kaputten Segmente aus der spannungsgeladenen Mitte zu nehmen und einfach ans Ende zu platzieren, das war die beste Lösung. So hätten wir noch gut zwei weitere Stangenbrüche ertragen können, ohne ohne Zelt da zu stehen.

Endlich, nach Monaten zu Hause, hab ich es dann auch mal geschafft die kaputten Zeltstangen in neue umzuorganisieren. Eine Mail an Globetrotter mit ner relativ schnellen Antwort: PDF mit genauen Maßen ausfüllen bitte.. war alles, was zu tun war. Der Rest wird von Globetrotter direkt mit Vaude geregelt. Innerhalb von 2 Wochen sollen die 5 Ersatzsegmente bei mir sein. 4 brauche ich zur Reparatur, das 5. bleibt erst mal Reserve. Denn, man weiß ja niemals niemals, was uns so die nächste Zeit in den Kopf kommt. Für insgesamt 8 Euro bin ich dabei. Das hat die zweite Reparaturhülse, die ich aus einem Alurohr aus dem nächsten Baumarkt unterwegs habe schneiden lassen, auch fast gekostet. Aber ohne eine weitere Hülse, die über das zerbröselte Aluminium gestülpt wurde, ging es auf Dauer nicht.

Und doch ist es nicht ganz unidyllisch

So im Nachhinein ist selbst so ein nasses Zelt im nassen aufgebaut, einfach nur wunderbar und jederzeit für mich das Hotel der ersten Wahl. 🙂

Denn trotz all dem liebe ich dieses Zelt, weil es uns 78 Tage vor Wind und Wetter geschützt hat und uns ein zu Hause war.

Ein Lagerfeuer haben wir übrigens nie gemacht. 🙂

Ein paar Eckdaten oder doch ne Schwärmerei?

Es hat mit seinen Innenzeltmaßen von 1,60 mal 2,20 eine gute Größe für 2 Personen, selbst mit Hund in Nimagröße geht das prima. Das hatten wir ja auch direkt in Hamburg beim Globi im Laden aufgebaut und getestet. Ein nass eingepacktes Zelt ist nun mal nass und das ist auch bei teureren Exemplaren so, dass dann alles einfach komplett durchnässt ist. Ganz normal. Vielleicht hätten bei einem teuren Hilleberg die Zeltstangen den Geist nicht aufgegeben. Für einen mehr als dreifach so hohen Preis finde ich, darf nach so einer Belastung auch mal ein Stänglein brechen, naja zwei geht grad noch so.

Trotz nasser Zeltwand, nasser Zeltinnenwand, hat es niemals im Zelt getropft, was doch genial ist. Was mir bei Zelten immer wichtig war und noch immer ist: Es muss, es muss tatsächlich, sonst kaufe ich es nicht. Das Innenzelt muss im Außenzelt hängen und das Gestänge muss ein außenliegendes sein. Warum? Ganz einfach. Baue ich im Regen ein Innenzelt auf, um dann das Außenzelt über das am Innenzelt befindliche Gestänge zu werfen, ist alles nass….. baue ich ein Zelt mit Außengestänge auf, wird immer nur die Außenhaut nass. Es sei denn es wurde schon nass zusammengepackt 😉 Ich denke du verstehst, was ich meine.

Und noch ein Muss: Das Zelt muss zwei Eingänge haben, es sei denn ich bin alleine unterwegs. Und die Eingänge müssen, wenn ich die Reißverschlüsse öffne, so gebaut sein, dass, wenn es regnet, das Innenzelt nichts vom Nass abbekommt.

Außerdem ist es klasse, wenn die Absiden so groß sind, dass alles Gepäck dort hineinpasst. Sogar der zusammengeklappte Fahrradhänger passte, wenn ich die beiden hinteren Räder abgemacht hatte. Geil!

Einfach genial dieses Zelt, ich würde es immer wieder kaufen. Und wie bei den Isomatten auch, ich hatte schon viele Zelte.

Was ich immer empfehlen kann und es selbst auch so handhabe: Ich habe immer eine Zeltplane für zwischen dem Zeltboden und der Erde, Wiese was auch immer. Einerseits ist der Zeltboden damit einfach geschützt vor Steinchen, Scherben etc. und andererseits kann man mit dem „Florprotector„, was ein Name tsss, auch die Absiden abdecken und muss seinen Kram nicht in die Matsche etc. stellen. Ist mal ein Loch in der Zeltplane ist das längst nicht so schlimm und so teuer, wie wenn der Zeltboden ein Loch hat.

Für dieses Zelt hab ich mir das erste mal eine vorgefertigte Zeltplane passend zum Zelt geleistet. Bis dato hatte ich immer einfach eine Mehrzweckplane aus dem Baumarkt für das Zelt zugeschnitten. Solltest du das für dein Zelt vorhaben, dann achte auf jeden Fall darauf, dass die Plane ein wenig kleiner ist, als die Außenwände des Zeltes, denn sonst läuft dir die ganze Brühe von oben zwischen Plane und Zeltboden. Nur geeignet, wenn du auf Wasserbetten stehst. 🙂 Der Unterschied zwischen Baumarktplane und fertiger Plane ist einmal das Gewicht (die fertige ist leichter) und dann die genau passenden Ösen oder Schlaufen, die bei der fertigen halt am richtigen Platz sitzen. Damit kann man bei windigem Wetter in Norddeutschland erst mal die Plane mit den Heringen im Boden verankern und dann in aller Seelenruhe das Zelt daraufbauen. Mit ner Baumarktplane, bei der die meisten Ösen dann weggeschnitten sind, weil sie sonst überstehen würden, funktioniert das nicht.

Nu muss ich es noch mal sagen: Ich liebe dieses ZeltSogar die Farbe ist schick und tarnend zu gleich. Es gibt sechs große Taschen im Inneren und ein paar Schnüre, an denen man Socken und im Notfall sogar ne ganze Menge mehr aufhängen kann. Die Nähte sind super verarbeitet und die Reißverschlüsse halten ordentlich was aus. Obwohl in Husum und Konsorten ordentlich der Wind auf dem Zelt stand, haben wir nie die Extraschnüre mit den Extraheringen benötigt. Gestänge rein und das Zelt steht, 10 Heringe dazu und es bleibt stehen, wo es soll. 😉

Wie ist das bei dir und deinem Zelt? Erzähl doch mal 🙂

 

Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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2 Responses

  1. [asc]

    Ohohoh, so groß ist die Lust zum wieder mal zelten dann doch nicht bei mir … aufdringliche Gastropoden waren mir schon immer zuwider.

    Vielen Dank aber für die wertvollen Tipps, falls mich mal jemand zum Mitmachen überredet werde ich mit meinem neu erworbenen Fachwissen erst mal die mobile Unterkunft begutachten.

    Leider hat es in all den Jahrzehnten noch kein Hersteller geschafft wirklich bruchfeste Zeltstangen zu fertigen.

    • Bo

      Hallo asc,
      nu musste ich doch erst mal googeln dass aufdringliche Gastropoden Schnecken sind. 😉
      Es gibt mittlerweile Zelte, die gar keine Stangen mehr haben, da hatte ich mich aber noch nicht rangetraut. Da werden Luftkammern aufgeblasen, die das Zelt halten. http://bit.ly/2mOCp4J Sehen ein bisschen eigentümlich aus, man bräuchte eben einfach nur Flicken, falls mal was kaputt geht. Die sollen aber sehr stabil sein.
      Liebe Grüße von Bo

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