Eine Fahrt in den Süden

Eingetragen bei: Minimalismus, T3 Bulli Fred | 6

Ziemlich spontan sind wir losgefahren… der Süden lockte bei dem miesen fiesen Nieselwetter zu Hause doch sehr. Ein Seminar, an dem wir teilnehmen wollten, ließ uns dann endlich mal vom träumen und dauernd daran denken einfach loszufahren auch wirklich mal losfahren.

Entscheidung gefällt, alles wichtige eingepackt und los.

Vor uns lag das Ziel in über 1000 Kilometer Entfernung. Eine Übernachtungsmögllichkeit im Warmen nach 550 Kilometern bei meiner Mum ließ uns das erste mal mit Fred wirklich mehr als 300 Kilometer an einem Tag fahren. Dazu noch die ganze Zeit Autobahn.

Zwischendrin ein bisschen arbeiten, was dank Giga Cube wirklich prima klappt. Endlich mehr Downloadvolumen und nicht arm dabei werden.

Mein Gefühl die letzte Zeit Freds Innereien betreffend war übrigens richtig. Zuviele Kilometer am Stück und zu schnell, was man bei 90 Stundenkilometern, dauerndem überholt werden von den dicksten LKW´s nicht behaupten kann, ist für ihn eindeutig nichts. Nach ca. 350 Kilometern nämlich, mitten im Stau ohne Standstreifen, blinkt vorne im Temperaturbereich ein Lämpchen. Da Fred nicht wirklich viele Lämpchen hat, die er zum Leuchten bringen könnte und dieses dazu auch noch rot ist, war mein erster Impuls natürlich: stehenbleiben, ganz schnell stehenbleiben. Wahrscheinlich ist der Motor zu heiß. Du erinnerst dich: Stau in Baustelle ohne Standstreifen, eingepfercht zwischen LKW´s. Wo nur soll ich stehenbleiben? Woooo? Erste Maßnahme: Heizung auf volle Pulle und Fenster auf, zweite Maßnahme: hoffen, nein festlegen, dass gleich ne Möglichkeit kommt zum Anhalten.

Kurze Zeit später taucht eine Abfahrt auf, an deren Endbiegung ich tatsächlich einen Standstreifen entdecke. Also fahre ich langsam mit eingeschaltetem Warnblinker die Ausfahrt entlang um den Standstreifen zu erreichen. Motor aus, warten.

Bei schönstem Sonnenschein alles gar nicht so schlimm?

 

Fred hat hinten unterm Nummernschild so eine nette Klappe, wenn man die öffnet, dann kommt man direkt zum Kühlwassernachfüllbehälter. Reingucken ergab, der ist voll. Das Kühlwasser kanns also nich sein… also warten.

Warten und weiterfahren. Lämpchen leuchtet wieder. Diesmal an einer Raststätte. Wunderbar, da stehen wir nicht so im Weg rum.

Ein kurzes googeln (Tina und Google sei Dank) ergab dann eine kleine Überraschung für mich, als Hyperautomechanikerin 🙂

Fred hat zwei Kühlwasserbehälter. Im Motorraum ist noch einer. Also alles ausgeräumt, Motordeckel auf und siehe da… der Behälter war bis zur Hälfte leer. Wasser nachgefüllt, Motor angeschmissen, rotes Lämpchen aus. Wie geil! Stolz wie Hulle ob der Einfachheit der Reparatur gings weiter. Tagesziel später als geplant aber guten Mutes erreicht.

Am zweiten Reisetag leuchtet nach kurzer Zeit schon wieder ein rotes Lämpchen, nein genau das gleiche rote Lämpchen. Das ja komisch, wir haben doch grade all unser Wasser an Fred gespendet. Also stehenbleiben, alles ausräumen, Motordeckel abmachen und siehe da… schon wieder ist der Behälter halb leer. Wasser nachgefüllt und dabei bemerkt, dass es unter Fred leicht tropfte. Ok der Behälter ist dann wohl undicht, ist ja auch nicht sooooo schlimm. Motor anschmeissen, rotes Lämpchen aus… leider nur für ca. 100 Kilometer. Dann geht die Prozedur des öfteren von vorne los. Rotes Lämpchen leuchtet…..das erspare ich dir jetzt mal 🙂

Ankunft am zweiten Zielort wurde tatsächlich möglich, Freds Auspuff hatte sich in der Zwischenzeit noch endgültig vom Endtopf gelöst, sodass er sich richtig röhrich heiser, naja – eher kaputt anhörte 🙂 Am nächsten Morgen auf der Suche nach ner Werkstatt irgendwo in den Bergen fündig geworden und Fred vertrauensvoll in völlig fremde Hände gegeben.

Einige Tage und Telefonate später hab ich dann beim Abholen von Fred 995 Komma irgendwas im EC Kartengerät blinken sehen. Es war nicht nur der Auspuff, und nicht nur der undichte Behälter. Es kam noch der kaputte Kühler und einige Schläuche etc dazu. Ich erfuhr dann auch, dass eigentlich noch nicht alles repariert ist, es zeitlich aber mit den Ersatzteilen nicht hingehauen hätte. Wir bekamen die Empfehlung lieber nicht weiter in den Süden zu fahren, sondern eher langsam Richtung Heimat.

Och nööö, das jetzt aber echt doof. Nu sind wir schon so weit gekommen. Außerdem hatte es geschneit und wir wollten doch in etwas wärmere Gefilde.

Ok, neue Idee muss her. Fred bleibt daaaa, wird noch mal untern Schraubenschlüssel müssen und wir fahren ohne ihn weiter.

Was in unserem Fall dann eine VW Up Mitfahrgelegenheit war. Wirklich der allerkleinste VW den ich je von innen besucht habe. Trotzdem, alles nötige wie 3 Erwachsene, ein Hund und Kram von allen hat wie durch ein Wunder reingepasst.

Nach dem Einkauf sah es dann so aus:

Für so viel leckeres Gemüse nehm ich schon mal in Kauf mich ein paar Stunden nicht bewegen zu können. Reinsetzen, sich vollpacken lassen und sich dann wundern, dass ein paar Bananen und ein Weißkohl auf den Füßen es schaffen sie zum einschlafen zu bringen.

Gelandet sind wir im Tessin, direkt am Lago Maggiore… Wasser, Berge, Sonne… ich fühl mich so wohl hier. Vom Balkon aus sieht das dann mal so aus. Nachts so geil, gegenüber die Lichter in den Bergen zu sehen. Atemberaubend…

Und das genialste: Kaum Menschen hier, weil es denen schon zu kalt ist. Zu wassss? In der Sonne sinds locker 10 bis 15 Grad, kein Wind, wie kann man das zu kalt nennen? Zu der Jahreszeit sind hier keine Touris mehr, überall sind die Rollos runter, die Fenster dicht. Hotels und Appartments leer, geschlossen. Und genau in so einem völlig leeren Miniappartment sind wir jetzt untergekommen. Kein Bett, kein Schrank, kein Tisch, kein Stuhl, nur ne Küche mit ein wenig Kram drin und ein Bad mit Dusche, sonst nix…. fantastisch und so was von genau richtig für uns. Ich krieg schon wieder Lust zu Hause noch mehr rauszuwerfen 😉

Nach getaner Arbeit und der Erklimmung des Berges hinter uns ist lesen sooo entspannend und wichtig für mich. Irgendwie toll, von überall mit Stromanschluß und Internet arbeiten zu können. Irgendwie aber auch so, dass man nie Urlaub hat, egal an welchen tollen wunderbaren Berggipfeln man steht.

Nu bin ich gespannt, wann Fred fertig ist und wir uns wieder auf den Weg zu ihm machen können. Dann aber doch erst mal wieder Richtung nach Hause. Auch wenn ich es mir grade gar nicht vorstellen kann wirklich bewusst zu wählen wieder im miesen fiesen Nieselwetter zu sein.

 

Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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6 Responses

  1. unci

    Ich hab damals als zivi einen ich glaube wassergekühlten diesel-T3 gefahren … und ich sehe gerade, die ersten T3 waren noch luftgekühlt, zu erkennen am fehlenden unteren kühlergrill …

    Jedenfalls waren die kisten elend laut, sobald es deutlich über 50 km/h ging, da hätte ich mir noch einen fünften gang gewünscht.

    Ich hoffe, ihr kriegt die kiste bei der investition wieder soweit hin und habt dann erst mal eine weile ruhe!

    • Bo Pohl

      Hei Unci,
      soso einen T3 hast du gefahren und nichts davon erzählt 🙂 Die Kiste läuft ja sonst prima 🙂 unkaputtbar. Trotzdem danke für die Ruhe, die du uns wünscht. Nehmen wir 🙂

      Ganz liebe Grüße von Tina, Nima und Bo

  2. scratch

    ohhhh, in was für einer schönen gegend ihr da gelandet seid !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Und sogar Palmen……..grunz… und n dach überm kopf, mööönsch
    genießt die sonne, hier im norden ist es grau, grauer am grauesten undregen- anlaß für depressionen und muffelstimmung. nur kerzen anzünden hilft da noch.
    Hoffe ihr kommt gut mit fred wieder nach lübeck zurück !!!
    bis bald und LIEBE für NIMA !!

    • Bo Pohl

      Hallo liebes scratch,
      jaa Palmen das war die größte Überraschung und Bäume an denen Kakis hängen. Hab ich noch nie gesehen.
      Die halbe Rückfahrt is schon geschafft, dauert aber noch an. Und die Liebe geb ich weiter. Sie braucht sie grad wirklich dringend 🙂

      Liebste Grüße von Nima und Tina und Bo

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    Hallo Bo,
    Du machst aus einer Situation, in der ich mich irre aufgeregt und die Tour abgebrochen hätte, eine lustige Geschichte, bei der man es schade findet, nicht dabei gewesen zu sein. Toll, dass ihr es doch noch an den See geschafft habt und Du das nicht so schwer nimmst. Ich wünsche euch schöne Tage und eine gute Rückfahrt im topfitten Fred.
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    • Bo Pohl

      Hallo lieber asc,
      danke schön für deine Worte. Wenn du erst die Geschichte, der gerade unterbrochenen Rückfahrt erfährst… dann willst du ab jetzt unbedingt immer dabei sein 🙂
      Liebe Grüße von Bo

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