Die erste wilde Nacht

Eingetragen bei: Barfußlaufen, Sohlenbrenner Tour 2016 | 4

…war gar nicht so wild wie ich sie mir vorgestellt hatte …

Nachdem wir morgens um 10 aufgebrochen sind, kamen wir auf Asphaltstraßen und Sträßchen richtig gut voran. Der 81 jährige Vermieter des Zimmers von letzter Nacht hatte uns den Tipp gegeben, lieber nicht über die Wiesen und teilweise auch Zäune den Berg hoch zu gehen. „Da kommt ihr mit der Karre nicht hoch“

Auf erfahrene Menschen sollte man hören, und so ging es bergauf, bergab in fast glühender Hitze. Zumindest im Vergleich zu den letzten Tagen. Auf gut deutsch: es schien einfach mal die Sonne.

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Nach 2 Stunden begegnete uns eine Bank auf der wir kurz Pause machten. Aus südlicher Richtung hörten wir schon das Gewitter und dachten, wenn wir schnell weitergingen, könnten wir dem vielleicht entwischen.

Wir schafften insgesamt 8 Kilometer, da hatte es uns eingekriegt, wir ahnten, dass es gleich mal ordentlich losginge, Tina hatte auf dem Berg schon Angst, dass sie vom Blitz getroffen würde. Weit und breit war aber nur ein Haus zu sehen. Davor ein Mann, den wir fragten, ob er eine Idee hätte, wo wir uns unterstellen könnten. „Na, hier in der Garage. Ich mach euch noch die andere auf, da ist mehr Platz drin.“ Er werkelte gerade an Fahrrädern und Fahrradgepackträger herum und fragte uns ungläubig aus, wo wir denn noch hin wollten. Die Gesichter der Menschen sind meistens einfach klasse anzusehen, wenn sie verstehen, wo unser Ziel ist.

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Danke für diese dreiviertel Stunde, die wir nicht durch dieses heftige Gewitter mit Hagel und allem drum und dran mussten.

Weiter gings am Rottachsee entlang, sehr schön, teilweise im Regen, teilweise trocken, immer Schotter. Was ein Glück am Wegesrand meistens ein Grünstreifen, der begehbar war für mich.

Weitere 6 Kilometer später, es muss irgendwie um die 18 Uhr gewesen sein, beschlossen wir auf die Suche nach einem Plätzchen für die Nacht zu gehen. Nicht ganz einfach, wenns keine grade Stelle gibt und wenn fast alles ungeschützte Wiese ist, die dazu noch eingezäunt ist. Ein erstes kleines Waldstückchen ließ Hoffnung aufkommen, ich fand das Plätzchen genial, Tina wollte lieber noch weiter laufen. Sie hatte einfach noch nicht genug. 🙂

Eine gute Stunde später dann, tauchte wieder ein kleines Waldstückchen auf. Diesmal waren wir uns einig für heute müsse es genug sein. Ein kleiner, sehr lange unbenutzter Weg führte uns ein wenig vom großen Weg ab und wir waren uns sicher, hier findet uns niemand.

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Also Geäst aus dem Weg geräumt, Zelt aufgebaut, Matten bepumpt und ab ans Lappi – arbeiten. Tina schlief neben mir sofort ein.

Oben am Weg hörte ich einen Traktor fahren. hin und her. Männenrstimmen, der Traktor entfernte sich wieder. Puuh…. der Traktor näherte sich wieder und er bog in diesen Weg ein, der seit Urzeiten zugewachsen und nicht befahren wurde. Ich weckte Tina vorsichtshalber, machte vor Schreck mein Laptop aus, und wir harrten der Dinge die da kommen würden. Tinas Herz überschlug sich fast, weil ich sie aus dem Schlaf gerissen hatte. Nima bellte, kurz. Zwei Männer redeten, wir verstanden kein Wort, wie so oft in den letzten Tagen. 🙂 Luft anhalten, langsam und leise ausatmen…. der Traktor schien zu wenden, es fühlte sich fast an, als würde er dabei ins Zelt fahren wollen. Dann setzte er sich wieder bergauf in Bewegung und verschwand.

Keiner hat gemeckert oder uns verscheucht, wir durften also bleiben. Und so konnten wir völlig beruhigt und entspannt einschlafen. Mit Kuhglockengeleut von der nahen Weide eingeduselt.

Heute morgen dann im Regen, möglichst alles im Zelt schon gepackt, was zu packen ging, Regenzeugs übergeworfen und den Rest im Regen zusammengepackt.

Wir hatten absolut keinen Empfang am Handy, so ließ sich auch die Tour für heute einfach nicht aufrufen. Komoot spinnt manchmal wohl ein bisschen, denn die Tour ist extra offline geladen. Wir ahnten also mehr wo es lang gehen sollte, als dass wir es wussten. Völlig durchnässt kamen wir in Bodelsberg an, und wussten absolut nicht, wie die Tour weitergehen sollte.

Der Regen hatte gerade ein wenig nachgelassen und Menschen zeigten sich vor ihrem Haus. Da bin ich doch gleich hingestürmt und habe um WLAN gebettelt. Tina wurde mit dem Handy kurz reingebeten und so konnte sie die Tour endlich laden.

Weil wir aber fast nichts mehr zu essen hatten, machten wir einen Umweg, und gingen nach Görisried, dort sollte es einen Laden geben. Super, also marschierten wir los, 8 km sollten es noch sein. Unterwegs überlegten wir fast krampfhaft, welcher Wochentag denn heute wäre, in Görisried angekommen wussten wir sicher, dass wir recht hatten mit unserer Vermutung dass wohl Mittwoch wäre. Der tolle Supermarkt hat nämlich Mittwoch Nachmittags zu….

Nun hocken wir hier in einem ungemütlichen Zimmer in einem unsympathischen Dorf und hoffen morgen wirds besser mit den Einkaufsmöglichkeiten.

bo unterschrift


 

Spinnerin, Erfinderin, Forscherin, Schreiberin.
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4 Responses

  1. tobias

    Vielleicht braucht ihr doch einen magnetkompass und eine ganz grobe papierkarte als lowtech-fallback, wenn netz und batterie euch verlassen (die papierkarte müsste aber laminiert sein bei dem wetter ….)

    Ihr seid jetzt rechts (südöstlich) von der ursprünglich von komoot geplanten tour, die ab Bodelsberg über kleine wege im Kempter Wald fernab jeder siedlung bis Oberthingau gegangen wäre. Winzige dörfer.

    In Görisried seid ihr schon in der nähe der Wertach, dieser fluss wird euch bis Augsburg begleiten. Die Wertach zu überqueren erscheint nicht zweckmäßig, am fluss zu gehen ist aber wegen seines hier sehr kurvigen verlaufes und fehlender uferwege auch nicht möglich. Also bleibt euch fast nur, der straße bis Oberthingau zu folgen. Westlich von Marktoberdorf kommt ihr am Elbsee vorbei, dann kommt Ruderatshofen und danach könnt ihr euch aussuchen, nach Kaufbeuren rein oder links dran vorbei zu gehen. Jedenfalls, ab Kaufbeuren oder kurz danach ist die sache wieder klar, da gibt es uferwege an der Wertach bis Augsburg.

    Gruß aus dem trockenen arbeitszimmer, mit hundert dingen um die ohren, um die ihr euch jetzt nicht kümmern müsst ….

    • Bo

      Hallo Tobias,
      es gibt fast immer irgendwo Menschen, die wir fragen können, wir vertrauen darauf. Liebe Grüße
      Bo

  2. Andreas

    Schon in Görisried? Toll! Weiter so und das Wetter soll auch besser werden…

    • Bo

      Hallo Andreas,
      heute allerdings ist das Wetter im Moment noch sehr bescheiden bis beschissen. 🙂 Hauptsache wir können gleich mal was einkaufen, gestern abend gab es Nüsse, Rosinen trockenes Brot und ein bisschen Honig. Aber irgendwie lecker. 🙂
      Liebe Grüße
      Bo

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