3 wichtige rettende tips für hardcorewanderungen – ausrüstung im einsatz

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3 wichtige rettende tips für hardcorewanderungen

unsere wanderung durch deutschland, wasn akt. mein hin und herprobieren, bis ich endlich die richtigen schuhe hatte, noch so ein akt. also im prinzip hätte ich mir das ganze rumgeakte sparen können, wenn ich von anfang an ein paar dinge gewusst hätte. und die mir dann aber auch eine vielleicht zukünftige tour erleichtern.

zuerst wie auf wolken in dem merrell

gestartet bin ich mit merell blaze, eigentlich wasserschuhe. also für surfer und so. wußte ich nicht, ich fand sie nur total bequem und dachte dass ich damit gut und lange laufen könnte. falsch gedacht, nach 12-15 km wurde es ziemlich unbequem und schmerzhaft. dadurch dass der merell so ultraleicht und flexibel ist, kollidieren irgendwann die Zehen mit der vorderen schuhspitze, besonders in gebirgigem gelände und auf grobem schotter.

rettung durch den Lowa renegade gtx mid?

nach knapp zwei wochen hab ich einen kleinkredit aufgenommen und den Lowa erstanden. ungewohnt sowas schweres jetzt an den füßen zu haben, nach den merrell fühlten sich die Lowa nach ein paar kilometern wie ziegelsteine an. ich hatte vor dem start ein youtube video geguckt, wie man wanderschuhe richtig schnürt, schön fest, wurde da gesagt, so daß der fuß im schuh kaum hin- und her rutschen kann und die ferse sich nur minimal von der innensohle abhebt. und nach ein paar kilometern nochmals festgurten, damit auch ja nix wackelt. komischerweise begannen nach 1-2 stunden meine schienbeine zu schmerzen. wenn ich das ignorierte, zogen sich diese schmerzen die oberschenkel hoch, weiter bis in den hintern und die hüfte. irgendwann saß ich nur noch plärrend mitten aufm weg. das hört sich jetzt alles so an, als wär ich das totale weichei, aber ich habe 3 söhne auf klassische art entbunden.

da ich nicht aufgeben wollte, trug ich die beiden schuhe jetzt im wechsel. wenn mir die Lowa zu schwer und unerträglich wurden, zog ich die merrell an und genoss für ein paar kilometer das fluffigleichte gefühl der merrell und wenn sich da die zehen über zuviel auslauf beschwerten zog ich wieder die Lowa an und freute mich über festen vertrauenerweckenden halt. trotzdem keine dauerlösung. aber wie sich glücklicherweise herausstellte, war für mich eine andere schnürung die lösung.

keen logan mid hinkingschuhe, mein strohhalm, der mich auf ne ganz abwegige idee brachte.

rolf schwarz, der dokumentarfilmer, hatte sich für hannover angekündigt, und ich habe das genutzt um bei globetrotter 3 verschiedene paar schuhe von keen zu bestellen, die zu ihm schicken und mitbringen zu lassen. nachdem ich meinen rembrandt verpfändet habe. danke rolfi! auch wenn ich dann keins der drei modelle wirklich getragen hab, und er 2 paar auch gleich wieder mitgenommen hat, hab ich dadurch gesehn, was schief lief.

also: fehler 1 oder besser gesagt todo 1:

ein zweites paar dünnere socken unter den normalen socken. unbedingt, ohne frage, zwingend! am besten nylonsöckchen! jaaa, ich weiss, schwürg. aber so doof das auch aussieht und erst recht mit dicken hikingstiefeln, es muss sein. selbst wenn ihr die richtigen socken anhabt, meine favoriten sind da die falke mit 70% wolle im rechts-links-style und antistinkfaktor. rechts-links-socken sind wichitg, damit nichts knüddelt. und die dünnen söckchen MÜSSEN drunter. ab da, wirklich, glaub mir, ich mach keine witze, echt, ab da war die tour spaß, erholung, flow, wahnsinn, toll. und zusammen mit diesen echt wirklich großartigen schuhen, den unglaublichen Lowa renegade gtx, hatte ich das gefühl alles zu schaffen. davor sah ein typischer tag so aus:

5 km: joah, was liegt denn so an? popel*

10 km: ich fange an erste tankstellen zu suchen, ich könnt ne pause vertragen.

15 km: so langsam könnten wir so grob gesehn mal ankommen. ermüdungserscheinungen in den unteren extremitäten. füße beschweren sich, wenn auch nicht lautstark.

20 km: wir könnten echt jetzt mal ankommen, meine füße fühlen sich an wie wackelpudding mit rheumatischer gnubbelarthrose auf glasscherben.

25 km: ich will nich meeehr. ich hebe mechanisch die dinger da unten und stelze irgendwo torkelnd hin, mein hirn schüttet vor schmerzen massiv körpereigene endorphine aus und veranlasst mich stöhnend zu brabbeln.

30 km: ich wurschtel das handy raus und versuche 112 zu wählen, die schmerzen und die erschöpfung haben sich aber schon bis in die ohrläppchen gestalkt und hindern mich daran, die richtigen tasten zu treffen, etwas irritierend sind auch die kleinen fünkchen vor meinen augen. ich denke und hoffe auf telepathische rettung: holt mich ab und legt mich irgendwohin und gebt mir ne dosis ismirdochwurst.

34 km: wir sind tatsächlich nach 6 km verlaufen bei unbekannter gastfamilie angekommen. ich schwanke wortlos in deren wohnzimmer, in dem kleine kinder mit erschrockenen augen sitzen, mit pitschnassem hund, der an mir vorbeiflitzt und der die erschrockenen kinder mit hundephobie versucht abzuschlecken. die dame des hause fragt etwas irrritiert, ob ich was brauche. ich stammel echt: wasser… sofa..

todo 2: die füße nicht so doll einschnüren!?

mein persönlicher aha-moment, aber ist ja durchaus bei jedem anders: durch die keen, die, obwohl knöchelhoch, nicht ganz so hoch sind wie die Lowa, bin ich drauf gekommen, bei den Lowa einfach nicht bis ganz oben zu schnüren, also die obersten häkchen weglassen. und gleichzeitig habe ich durch das dauernde schuhwechseln mal zufällig die schuhe nicht so stark zugezurrt und tadaaaa. die megaschmerzen in den schienbeinen, die sich bis sonstwohin zogen, kamen nicht wieder. so doof muss man erstmal sein, dass einem bei schmerzen in den beinen nicht einfällt, dass man sich die vielleicht einfach nur abgeschnürt hat?! ich habe also fortan die Lowa so lose getragen, dass sie fast schlabberten und es ging 1A! und tut mir leid sacki, dein tutorial-schnür-video hat bei mir nicht so gepasst.

todo 3: kleinigkeiten, die eigentlich nur auftreten, wenn man die obigen tips ignoriert:

beim ersten klitzekleinen anzeichen von blasen: hansaplast drauf! am besten das klassische braune, das weisse sensitiv hält nicht so doll. socken wechseln, wenns grad nicht anders geht auch von rechts nach links.

abends, und nach bedarf auch zwischendurch: füße rundum mit schwedenkräutern einsprühen, oder auch mit diclo-salbe eincremen. besser ist arnicasalbe. arnica genauso als homöopathische kügelchen dabeihaben.

falls doch blasen entstehen, schwedenkräuter drauf, aufpiksen, leerdrücken und wieder schwedenkräuter drauf sprühen. es gibt ja 2 konträre meinungen zu blasen, die einen sagen bloß nicht aufpieksen, die anderen sagen unbedingt aufpieksen. ich hab die erfahrung gemacht, dass beim aufpieksen nichts schlimmer wird, im gegenteil, jedenfalls wenn man gut desinfiziert (mit schwedenkräutern reicht) und wenn die blasen zu schmerzhaft werden, bleibt einem sowieso nichts anderes übrig. kleinere kann man so lassen, die verkrümeln sich größtenteils wieder über nacht.

dann hab ich endlich die nichtrutschende radlerhose gefunden und das ultimative zeug, damit man sich auf langen strecken nicht wundscheuert. und erkenntnisse, wie man merklich weniger von mücken und bremsen attackiert wird.  darüber lass ich mich dann aber in meinem nächsten beitrag aus.

falls du auch noch tipps für solche wanderungen hast, immer rein damit in die kommentare. man lernt ja nie aus.

 

fotoraf maler photoshopper minimalist verschwörungs-praktiker möbelumsteller staubignorierer prokrastinierer comicleser pc-reparierer datendompteur schrottliebhaber 80s-goth-doom-beat-industrial-fahrstuhlmusik-fan

2 Antworten

  1. Hallo Tina,

    ach, Du schreibst so köstlich. Was ein wirklich ernstes Thema ist, kannst Du äußerst humorvoll verpacken 🙂

    Ich selbst habe Blasen schon immer aufgepiekt und das Wundwasser abgelassen. Aber wirklich nur winzigst aufgepiekt, damit der Druck nachlässt. So wurde das Laufen gleich erträglicher. In meinen 50 Lebensjahren hat sich da noch nie was entzündet!
    Und ja, auch ich bappe gleich Tape drauf (das bewährte „Braune“ o.ä.), um Schlimmeres zu verhindern.

    Eine interessante Erfahrung ist für mich, das sich nur in meiner Schuhtragezeit die Blasen mit Wundwasser gefüllt haben. Als ich zu Beginn des Barfußlaufens noch vereinzelt Blasen unter den Ballen durch zu langes Laufen auf unwegsamen Untergrund bekam, blieben diese ungefüllt und trocken. Und: Sie „zwiebelten“ nur 1-2 Tage, danach schob sich gleich neue Haut darunter.

    Interessant sind Deine Erfahrungen mit dem richtigen Schnüren von Wanderschuhen, das wusste ich noch gar nicht. Leider. Hätte ich es gewusst, wäre mir vermutlich dadurch auf meinen früheren Wanderungen viel Leid erspart geblieben.

    Danke für den tollen Beitrag!

    Liebe Grüße
    Eva
    Eva kürzlich veröffentlicht…Barfuß durch die Feuersteinschlucht auf den AuerbergMy Profile

    • hallo eva,
      🙂 jaaaa, ans barfußlaufen hab ich mich noch nicht so rangetraut, aber wer weiss..ich hör und seh ja immer wieder positives darüber.

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